Warum entscheiden sich Menschen in Deutschland für oder gegen eine Impfung? Eine aktuelle Umfrage des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Impfbereitschaft zeigt: Vertrauen, Risikowahrnehmung und Verantwortungsgefühl spielen eine zentrale Rolle. Gleichzeitig bleiben Zweifel – etwa mit Blick auf Pharmakonzerne – ein Thema.
RKI-Umfrage zur Impfbereitschaft: Gründe für und gegen Impfungen
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat im Oktober 2025 erstmals eine jährliche Online-Befragung zur Impfbereitschaft in Deutschland durchgeführt. 5.480 Erwachsene nahmen teil. Ziel war es, besser zu verstehen, welche Faktoren die Impfentscheidung beeinflussen – von Vertrauen in Behörden über persönliche Hürden bis hin zu Verschwörungsglauben.
Vertrauen in Impfstoffe und Zulassung
Vertrauen ist ein zentraler Faktor für die Impfbereitschaft.
- 60 Prozent der Befragten geben an, ein hohes Vertrauen in die Zulassung von Impfstoffen durch Behörden zu haben.
- Jede zweite Person geht davon aus, dass Nebenwirkungen selten und nicht schwerwiegend sind.
Risikowahrnehmung: Schutz vor schweren Krankheitsverläufen
Die persönliche Einschätzung des Krankheitsrisikos beeinflusst die Impfentscheidung.
- 70 Prozent möchten sich durch eine Impfung vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen.
- Weniger als 10 Prozent glauben, keine Impfung zu benötigen.
- Für sechs von zehn ist das Ansteckungsrisiko ein wichtiger Grund.
- Acht von zehn sehen Impfungen als sinnvolle Maßnahme zur Prävention.
Persönliche Hürden: Organisation spielt eine Rolle
Neben Einstellungen und Überzeugungen spielen auch praktische Fragen eine Rolle.
- Mehr als 70 Prozent geben an, sich rechtzeitig um Impfungen zu kümmern.
- Nur etwa jede zehnte Person versäumt Impfungen gelegentlich.
- Drei von zehn stellen Impftermine sogar über andere Verpflichtungen.
Kosten-Nutzen-Abwägung bei der Impfentscheidung
Viele Menschen wägen Nutzen und mögliche Risiken bewusst gegeneinander ab.
- Rund 70 Prozent entscheiden sich für eine Impfung, solange keine persönlichen Nachteile entstehen.
- 60 Prozent prüfen sorgfältig Nutzen und Risiken.
- Mehr als 60 Prozent prüfen die Notwendigkeit der jeweiligen Impfung für sich selbst.
Kollektives Verantwortungsgefühl stärkt die Impfbereitschaft
Impfungen werden nicht nur als individueller Schutz gesehen.
- Über 60 Prozent lassen sich impfen, um andere Menschen zu schützen.
- Ebenfalls mehr als 60 Prozent berücksichtigen besonders gefährdete Personen.
- Vier von fünf Befragten betrachten Impfungen als gemeinschaftliche Aufgabe zur Eindämmung von Krankheiten.
Haltung zu Sanktionen und Durchsetzung von Impfempfehlungen
Auch im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und öffentlicher Gesundheit teilten die Befragten ihre Meinung mit:
- Rund 10 Prozent halten Sanktionen bei Nichtbefolgung für legitim.
- Etwa 20 Prozent finden es vertretbar, ungeimpfte Personen von Veranstaltungen auszuschließen.
- Die Hälfte der Befragten spricht sich dafür aus, dass Gesundheitsbehörden alle verfügbaren Mittel einsetzen, um hohe Impfquoten zu erreichen.
Glaube an Verschwörungstheorien bleibt Minderheitenposition
Verschwörungserzählungen spielen laut Umfrage eine vergleichsweise geringe Rolle:
- Weniger als 10 Prozent stimmen der Aussage vollständig zu, Impfungen seien schlimmer als die Krankheiten, vor denen sie schützen. Etwa zwei von zehn stimmten dem teilweise zu.
- Ähnliche Werte zeigen sich beim Glauben an angeblich giftige Inhaltsstoffe.
- Rund 20 Prozent stimmen eher zu, dass Gesundheitsbehörden dem Einfluss von Pharmakonzernen nachgeben, 30 Prozent teilweise.
Die Mehrheit schenkt Falschinformationen offenbar wenig Glauben – dennoch bleiben Zweifel am Einfluss wirtschaftlicher Akteure bestehen.
Grippeimpfung: Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften
Für 3.289 Befragte lag eine Impfempfehlung zur Grippeimpfung vor. Diese Gruppe wurde gesondert ausgewertet.
- Rund 60 Prozent hatten sich zwischen Oktober 2024 und Mai 2025 gegen Grippe impfen lassen.
- Zu Beginn der Saison 2025/2026 waren es knapp 20 Prozent.
- Die Mehrheit der bislang Ungeimpften gab an, eine Impfung in der laufenden Saison noch anzustreben.
Anders sieht es bei der COVID-19-Impfung aus: Hier beschreibt das RKI die Bereitschaft als gering.
Quelle: Robert Koch-Institut