Schwangerschaft: Studie gibt Hinweise auf erhöhtes Autismus-Risiko durch bestimmte Medikamente

Katrin Faßnacht-Lee  |  29.04.2026 12:31 Uhr

Eine große US-Studie weist darauf hin, dass bestimmte Arzneimittel während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) beim Kind verbunden sein könnten. Schwangere sollten dennoch nicht leichtfertig Medikamente absetzen.

Schwangere Frau in der Apotheke
Die Einnahme von Medikamenten besprechen Schwangere immer mit ihrem behandelnden Arzt. Ergänzende Informationen dazu gibt es auch in der Apotheke.
© Drazen Zigic/iStockphoto

Untersucht wurden Medikamente, die die sogenannte Sterolbiosynthese hemmen, abgekürzt SBIMs. Das sind Arzneimittel, die in die Sterol- beziehungsweise Cholesterinherstellung des Körpers eingreifen können. Dazu zählen unter anderem einige Antidepressiva, Blutdruck- und Cholesterinsenker. Die Ergebnisse basieren auf der Analyse von über 6 Millionen Gesundheitsdaten von Mutter und Kind und wurden im Fachjournal „Molecular Psychiatry“ veröffentlicht.

Wie könnten die Medikamente den Fetus beeinflussen?

Die untersuchten Wirkstoffe können in den Cholesterinstoffwechsel eingreifen – ein Prozess, der für die Entwicklung des kindlichen Gehirns besonders wichtig ist. Cholesterin spielt eine zentrale Rolle beim Aufbau des Gehirns. Der Fötus beginnt etwa ab der 19.–20. Schwangerschaftswoche selbst mit der Produktion. Störungen in diesem Prozess sind bereits mit schweren Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht worden.

Zentrale Ergebnisse der Studie

  • Einnahme von mindestens einem SBIM: 1,47-fach erhöhtes ASS-Risiko
  • Mit jeder zusätzlichen Medikation steigt das Risiko weiter auf das bis zu 2,33-fache bei vier oder mehr gleichzeitig verschriebenen Wirkstoffen
  • 15 Prozent der Kinder mit ASS waren während der Schwangerschaft diesen Medikamenten ausgesetzt
  • Medikamente dieser Gruppe wurden in den USA in den letzten Jahren zunehmend auch in der Schwangerschaft verschrieben: 4,6 Prozent (2014) auf 16,8 Prozent (2023) 

Was bedeutet das für Schwangere?

Die Forschenden betonen, dass ihre Ergebnisse nicht darauf hindeuten, dass diese Medikamente für Erwachsene unsicher sind. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass in der sensiblen Phase der Schwangerschaft besondere Vorsicht geboten ist.

Wichtig ist dennoch: Medikamente niemals eigenständig absetzen! Viele der untersuchten Wirkstoffe sind notwendig und teilweise lebenswichtig. Stattdessen sollten die individuelle Situation ärztlich besprochen und mögliche Alternativen geprüft werden.

Diese Wirkstoffe wurden in der Studie untersucht

Im Rahmen der Studie wurden folgende 15 Wirkstoffe aus der Gruppe der SBIM berücksichtigt. Die Risikoerhöhung für ASS durch die einzelnen Wirkstoffe unterschied sich in der Studie.

  • Aripiprazol
  • Atorvastatin
  • Bupropion
  • Buspiron
  • Cariprazin
  • Fluoxetin
  • Haloperidol
  • Metoprolol
  • Nebivolol
  • Pravastatin
  • Propranolol
  • Rosuvastatin
  • Sertralin
  • Simvastatin
  • Trazodon

Quelle: DOI 10.1038/s41380-026-03610-7

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