Wie hängen Bildschirmzeit, Gespräche mit Erwachsenen und die Sprachentwicklung von Kleinkindern zusammen? Dieser Frage ist ein Forschungsteam der Universität Tartu nachgegangen. Analysiert wurden Daten von 448 Kindern im Alter von rund zweieinhalb bis vier Jahren. Darüber berichtet der Estonian Research Council, der die Ergebnisse der Studie zusammenfasst.
Was die Studie untersucht hat
Die Forschenden erfassten über Befragungen der Mütter, wie viel Zeit Kinder und ihre Eltern mit Bildschirmmedien verbringen und wie häufig Kleinkinder in direkte Gespräche mit Erwachsenen eingebunden sind. Die Sprachfähigkeiten wurden mithilfe eines standardisierten Fragebogens bewertet – darunter Wortschatz, Grammatik und die Komplexität der Kommunikation. Ziel war es, Zusammenhänge zwischen Mediennutzung, Interaktion und früher Sprachentwicklung sichtbar zu machen.
Drei typische Familienmuster
Auf Basis der Daten identifizierte das Team drei wiederkehrende Konstellationen:
- In Familien mit hoher Bildschirmzeit und eher wenig Gesprächen mit Erwachsenen erzielten Kinder niedrigere Sprachwerte.
- In Familien mit geringer Bildschirmzeit, aber ebenfalls wenig Austausch mit Erwachsenen ergaben sich ebenso niedrige Ergebnisse.
- Die besten Sprachwerte fanden sich bei Kleinkindern, die häufig in Gespräche mit Erwachsenen eingebunden waren und deren Eltern moderat Bildschirme nutzten.
Die Ergebnisse im Detail
Insgesamt fand das Forschungsteam so heraus: Mehr Bildschirmzeit war mit niedrigeren Sprachwerten verbunden, während mehr Gespräche mit Erwachsenen mit besseren Ergebnissen einhergingen. Beide Faktoren blieben auch dann bedeutsam, wenn sie gemeinsam betrachtet wurden. Jaan Tulviste, Entwicklungspsychologe an der Universität Tartu und am nationalen Institut für Gesundheitsentwicklung Estland betont: “Wenig Bildschirmzeit allein war nicht mit stärkeren Sprachfähigkeiten verbunden – außer, wenn aktive Kind-Erwachsenen-Gespräche dazu kamen.“
Einordnung der Ergebnisse
Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine eindeutigen Ursachen. So bleibt offen, ob eine höhere Bildschirmzeit die Sprachentwicklung beeinflusst oder ob Kinder mit schwächeren Sprachfähigkeiten eher zu Bildschirmen greifen. Dennoch unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von Interaktion im Alltag.
Quelle: DOI 10.3389/fdpys.2026.1787710