Zwanghaftes Sexualverhalten (Compulsive Sexual Behaviour Disorder, CSBD): Ursachen, Symptome und Behandlung

Hanke Huber  |  27.07.2026 13:18 Uhr

Viel Sex bedeutet nicht automatisch „Sexsucht“. Entscheidend ist, ob Betroffene ihre sexuellen Impulse nicht mehr kontrollieren können und dadurch Beziehungen, Beruf oder Alltag leiden. Was hinter der Erkrankung steckt.

Ein Mann sitzt aufrecht im Bild und schaut auf sein Laptop.
Auch exzessives Pornoschauen kann ein Zeichen von Sexsucht sein.
© iStock.com/dusanpetkovic
Inhaltsverzeichnis

Überblick

Die sogenannte „Sexsucht“ wird in der aktuellen Klassifikation (ICD-11) als zwanghaftes Sexualverhalten oder Compulsive Sexual Behaviour Disorder, CSBD, eingeordnet. Sie gehört zu den Impulskontrollstörungen. Gemeint ist damit vor allem eine anhaltende Unfähigkeit, sexuelle Impulse zu widerstehen, obwohl das Verhalten negative Folgen haben kann. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, normales von problematischem Verhalten abzugrenzen. Entscheidend ist vor allem, ob die Kontrolle verloren geht und das Verhalten das Leben beeinträchtigt. 

Symptome eines zwanghaften Sexualverhaltens

Typisch ist ein wiederkehrendes, Muster von Sexualverhalten, das sich über mindestens sechs Monate zeigt und schwer kontrollierbar ist. Sexualität rückt dabei oft stark in den Mittelpunkt des Lebens, andere Bereiche werden vernachlässigt. Häufige Ausprägungen sind zum Beispiel ein schneller Wechsel von Sexualpartnern, exzessive Masturbation, intensiver Pornografiekonsum oder andere sexuelle Aktivitäten, die viel Zeit einnehmen.

Trotz eines hohen Leidensdrucks und Beeinträchtigungen im persönlichen oder beruflichen Bereich, schaffen Betroffene es oft nicht, ihr Verhalten zu ändern. Es wird weitergeführt, obwohl die Befriedigung nachlässt und es sogar negative Folgen haben kann. Am häufigsten kommt es zu Problemen mit dem Partner oder im Beruf sowie zu sozialem Rückzug. In manchen Fällen wird Sexualität gezielt als Coping-Strategie eingesetzt, um mit Stress, Ängsten oder anderen belastenden Gefühlen umzugehen.

Verlauf

Ohne Behandlung kann sich das Verhalten verfestigen und weiter verstärken. Die Kontrolle über das eigene Verhalten bleibt eingeschränkt, während negative Folgen zunehmen. Dazu gehören Beeinträchtigungen im persönlichen Umfeld, in Beziehungen oder im Beruf. Gleichzeitig kann die empfundene Befriedigung abnehmen, während der Leidensdruck steigt. In manchen Fällen treten zusätzliche Probleme auf, etwa selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität oder Risiken für andere Personen. Solche Situationen erfordern eine vorrangige und gegebenenfalls intensivere Behandlung.

Ursachen von zwanghaftem Sexualverhalten

Die Entstehung wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Eine Rolle spielen Probleme in der sexuellen Selbstkontrolle, die sowohl von persönlichen Voraussetzungen als auch von Umweltfaktoren abhängen. Dazu zählen beispielsweise die leichte Verfügbarkeit von Pornografie, eine verminderte Hemmung durch Veränderungen im Botenstoffsystem oder begleitende psychische Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen oder Substanzgebrauchsstörungen.

Zugleich kann Sexualität als Bewältigungsstrategie dienen, etwa bei Stress, innerer Unruhe oder negativen Gefühlen. Über das Belohnungssystem kann sich dieses Verhalten weiter verstärken.

Diagnose

Besteht der Verdacht einer zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung, kann dies durch eine Psychiaterin oder einen Psychiater beziehungsweise durch eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten festgestellt werden. Die Diagnose wird anhand klarer Kriterien gestellt. Entscheidend ist ein anhaltendes Muster über mindestens sechs Monate, bei dem die Kontrolle über sexuelle Impulse und Handlungen eingeschränkt ist. Dabei wird beurteilt, ob sexuelle Aktivitäten andere Lebensbereiche verdrängen, ob wiederholte Versuche zur Reduktion scheitern und ob das Verhalten trotz negativer Folgen fortgeführt wird. Zur Unterstützung können standardisierte Fragebögen eingesetzt werden.

Therapie: Was gegen Sexsucht hilft

Im Mittelpunkt der Therapie steht die Verbesserung der Selbstkontrolle und der Aufbau eines gesunden Umgangs mit Sexualität im Rahmen einer Psycho- oder Verhaltenstherapie. Betroffene lernen beispielsweise, Auslöser wie Angst, Trauer oder Enttäuschung zu erkennen und den Umgang mit diesen Gefühlen zu regulieren. Liegen zusätzlich auch andere psychische Probleme vor wie depressive Störungen, Substanzmissbrauch oder Impulskontrollstörungen, sollten diese im therapeutischen Ansatz mit berücksichtigt werden. In manchen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Erregung zu dämpfen.

Kurz zusammengefasst

Die Compulsive Sexual Behaviour Disorder beschreibt eine anhaltende Unfähigkeit, sexuelles Verhalten zu kontrollieren. Entscheidend sind nicht einzelne Verhaltensweisen, sondern der Kontrollverlust und die daraus entstehenden Probleme. Das Verhalten kann sich über längere Zeit verstärken und verschiedene Lebensbereiche beeinträchtigen. Häufig spielt Sexualität eine Rolle bei der Bewältigung von Stress oder negativen Gefühlen. Eine gezielte Therapie kann helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen.

 

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