Psyche

Anke Engelke: "Mich interessieren die Menschen"

aponet.de  |  01.01.2023

Alles, was Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke anpackt, tut sie mit großer Leidenschaft. Wie dies Stressgefühle vertreibt, wie sie sich für Menschen in Not engagiert und warum Mut zur Veränderung bei uns selbst anfängt, erzählt sie im Gespräch.

Anke Engelke.
Seit knapp 20 Jahren engagiert sich Anke Engelke für das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk action medeor.
© TobiaSchulT

Frau Engelke, Sie machen so viele unterschiedliche Dinge – Filme, Comedy, Podcast, Lesungen, Synchronsprechen und vieles mehr. Kommt da nicht Stress auf?

Anke Engelke: Es stimmt, die Tage sind oft eng getaktet. Rappelvoll manchmal. Trotzdem habe ich nicht den Eindruck, besonders viel Stress ausgesetzt zu sein.

Woran liegt das?

Engelke: Vielleicht daran, dass kein Tag dem anderen gleicht und dass ich alle Projekte mit großer Leidenschaft angehe. Dazu gehören auch Dinge, die vielleicht anstrengend sind. Text lernen zum Beispiel ist jetzt wirklich nicht der größte Spaß auf Erden. Der Film "Mutter", der seit Ende September in Kinos zu sehen ist, ist ein gutes Beispiel. Das war reine Fleißarbeit. Ich habe drei Monate Zeit gehabt, um Original-Interviews von acht Frauen auswendig zu lernen und sie im Film lippensynchron mitzusprechen. Dabei habe ich wieder gemerkt, dass es mir guttut, wenn das, was ich tue, nicht nur reiner Spaß, sondern auch Arbeit ist. Nur für Spaß bezahlt zu werden, fühlt sich komisch an.

Machen Sie nur Projekte, die für Sie interessant sind?

Engelke: Das wäre unangenehm, kein Interesse zu haben an dem, was anliegt. Da bin ich Glückskind, weil ich mir wirklich aussuchen darf, was ich mache. Wenn ich mich für ein Projekt entschieden habe, dann aus großem Interesse und mit voller Kraft. Und wenn ich auf halber Strecke merke, das ist doch nicht so interessant, anspruchsvoll oder angenehm, wie ich es mir vorgestellt habe, dann mache ich es mir trotzdem schön. Man kann sich nicht alles backen.

Neben Ihrer Arbeit sind Sie seit 2003 Botschafterin für das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk action medeor. Auch hier machen Sie keine halben Sachen …

Engelke: Na klar, ich nehme das sehr ernst. Wenn ich mich für etwas einsetze, möchte ich keine Kompromisse machen. Ich habe mir damals die Frage gestellt: wen möchte ich öffentlich unterstützen – ein Team, eine Truppe, eine Idee? Ich habe recherchiert, was das für ein Verein ist, bin nach Tönisvorst gefahren – was nicht unkompliziert ist, da kommt man mit Bus und Bahn leider nicht so gut hin – habe die Kerntruppe kennengelernt, wir haben dort Kaffee getrunken, und ich habe sie gelöchert mit meinen Fragen. Mich interessiert immer, wie Menschen miteinander umgehen, wie es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht, die dort arbeiten. Bei action medeor sind Organisation und Logistik wichtig. In einer großen Halle dort in Tönisvorst werden zum Beispiel die ganzen Pakete verpackt. Das wollte ich alles sehen und verstehen und am Ende des Tages hat mich alles überzeugt, und man konnte spüren, dass es eine tolle Partnerschaft werden könnte. Im nächsten Jahr ist 20-jähriges Jubiläum!

Sie waren schon mehrfach mit action medeor in afrikanischen Ländern. Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Engelke: Vor Ort erlebe ich auf solchen Reisen natürlich die ganze Logistik, aber was mich viel mehr interessiert, sind die Menschen. Und die Vernetzungen, die lokalen Partner-Organisationen und Helfer:innen. Ich bin kein religiöser Mensch, aber am Ende landen wir immer mit irgendwelchen Nonnen am Tisch und dann wird‘s schön!

Muss man denn unbedingt vor Ort sein? Es gibt doch so viele Möglichkeiten wie Videokonferenzen.

Engelke: Ich fürchte, nur vor Ort kann man sich ein Bild davon machen, wie sich die Menschen dort engagieren. Das hat ganz oft nicht viel mit der Arbeit hier zu tun – das ist ein anderes Arbeiten, ein anderes Tempo, ein anderes Verständnis von bestimmten bürokratischen Abläufen. Sie können sich denken, dass man da als deutscher Büromensch auch mal dran verzweifeln könnte. Aber wer sagt denn, wie es richtig geht? Jedes Land hat seine eigene Zeit, und das gilt im Übrigen auch für jeden Menschen. So etwas lernt man vor Ort. Es ist immer eine Lektion in Demut, wenn ich dort bin. Man merkt, dass man aus der ersten Welt kommt, aus einer Überflussgesellschaft, und Vieles als gegeben annimmt. Man hinterfragt oft nicht, warum alles funktioniert und warum es einem so gut geht.

2023 steht bereits in den Startlöchern. Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr?

Engelke: Für mich selbst und für meine Liebsten wünsche ich mir natürlich Gesundheit. Das ist wichtiger denn je. Und eine Zufriedenheit, für die wir nicht ausschließlich selbst verantwortlich sind. Für uns als Gesellschaft wünsche ich mir einen besseren Umgang miteinander, mehr Austausch und mehr Mut, Dinge zu verändern – angefangen bei sich selbst. Wir sollten uns bewusst werden, dass alles, was wir tun und lassen, Konsequenzen hat. Im Frühjahr erscheint eine Doku-Reihe, an der ich mitgearbeitet habe und in der wir Menschen und Ideen vorstellen, die es hinbekommen, den Planeten und somit auch uns Menschen nicht zu zerstören. So wie wir ihn in den letzten Jahrzehnten heruntergewirtschaftet haben, so rächt sich das jetzt mit Umweltkatastrophen, Inflation und weltweiter Not. Ich habe auch keine Lösung. Aber ich weiß, dass ich bei mir selbst anfangen kann, das Richtige zu tun. Wenn ich in Berlin, Hamburg oder München arbeite, muss ich zum Beispiel nicht hinfliegen. Es liegt mir sehr am Herzen, dass wir uns engagieren, und nicht auf die anderen zeigen. Denn wer auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auch immer auf sich selbst.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Hanke Huber.

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