Bei vielen Menschen mit Diabetes schädigt die Erkrankung im Lauf der Zeit die Nerven, vor allem in den Füßen. Diese sogenannte diabetische Neuropathie sorgt dafür, dass sie Druck, kleine Verletzungen oder Hitze schlechter oder gar nicht mehr spüren. „Kommt zusätzlich eine Durchblutungsstörung hinzu, ist die Wundheilung weiter eingeschränkt", erläutert Adili. So kann aus einer harmlosen Blase, einem Steinchen im Schuh oder einer Verbrennung schnell eine ernste Wunde entstehen.
Wenn das Warnsignal Schmerz fehlt
Im Sommer steigt diese Gefahr. Asphalt, Steinplatten, Sand oder Metallflächen heizen sich an heißen Tagen stark auf. Wer gesunde Füße hat, zieht den Fuß reflexartig zurück, sobald der Boden zu heiß wird. Bei einer diabetischen Nervenschädigung fehlt dieser Schutzreflex oft. Die Hitze wirkt dann länger ein, und es können Verbrennungen an der Fußsohle entstehen, ohne dass die Betroffenen es merken. Auch Glassplitter, Muscheln oder Dornen können beim Barfußlaufen unbemerkt kleine Wunden verursachen, über die Krankheitserreger eindringen.
Diabetisches Fußsyndrom: kleine Wunde – ernste Komplikationen
Entstehen aus solchen kleinen Verletzungen chronische Wunden, sprechen Fachleute vom diabetischen Fußsyndrom. Diese Komplikation ist alles andere als harmlos: Sie geht den meisten Amputationen an Fuß oder Bein bei Menschen mit Diabetes voraus. „Der diabetische Fuß ist keine Bagatelle, sondern eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Komplikation des Diabetes mellitus", betont Adili.
So schützen Betroffene ihre Füße
Die internationale Leitlinie zur Vorbeugung rät Menschen mit Diabetes und erhöhtem Risiko ausdrücklich, weder drinnen noch draußen barfuß zu laufen. Auch dünne Hausschuhe oder bloße Socken bieten zu wenig Schutz. Empfohlen werden stattdessen:
- geeignetes, festes Schuhwerk, auch am Strand, im Garten oder am Pool
- die Füße täglich kontrollieren, etwa auf Rötungen, Blasen oder Druckstellen
- konsequente Hautpflege
- bei Auffälligkeiten frühzeitig ärztliche Hilfe suchen
Wunden ernst nehmen und Arzt aufsuchen
Wichtig ist, jede Fußwunde ernst zu nehmen. Heilt sie nicht zügig oder zeigt sie Anzeichen einer Entzündung, sollte ärztlich geprüft werden, ob die Durchblutung ausreicht. „Wundheilung beginnt nicht erst beim Verband. Sie beginnt mit Schutz, früher Erkennung und der Frage, ob genug Blut im Gewebe ankommt", so Adili. Die gute Nachricht: Viele Komplikationen lassen sich vermeiden, wenn Betroffene ihre Füße schützen und bei Problemen nicht abwarten.