Ob frühe Bildschirmzeit Kindern schadet, ist seit Jahren Gegenstand der Forschung. Ein Forschungsteam des französischen Instituts Inserm und der National University of Singapore hat die Entwicklung von Kindern nun über mehrere Jahre hinweg beobachtet.
Kinder vom Babyalter bis zur Schulzeit begleitet
Für die Untersuchung werteten die Forschenden Daten von mehr als 500 Kindern aus, die seit ihrer Geburt begleitet wurden. Die Eltern gaben zu sechs Zeitpunkten an, wie viel Zeit ihr Kind vor Bildschirmen verbrachte. Jahre später erfassten die Forschenden die schulischen Leistungen und das Arbeitsgedächtnis der Kinder, also die Fähigkeit, Informationen kurzfristig im Kopf zu behalten und zu verarbeiten.
Zusammenhang mit den Schulnoten, nicht mit dem Gedächtnis
Das Ergebnis fiel unterschiedlich aus: Eine insgesamt höhere Bildschirmzeit in der frühen Kindheit ging mit etwas schlechteren späteren Schulleistungen einher. Für das Arbeitsgedächtnis ließ sich dagegen kein eindeutiger Zusammenhang feststellen.
Am deutlichsten zeigte sich der Zusammenhang, wenn Kinder bereits im ersten Lebensjahr viel Zeit vor Bildschirmen verbracht hatten. Auch rund um den Schuleintritt mit etwa sechs Jahren trat er erneut auf. Für Bildschirmzeit im Alter von zwei und drei Jahren fanden die Forschenden dagegen keinen Zusammenhang. Der Zeitpunkt der Bildschirmnutzung könnte also eine ähnlich große Rolle spielen wie die Gesamtmenge.
Was Eltern daraus mitnehmen können
Wichtig zur Einordnung: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen klaren Ursache-Wirkungs-Beweis. Andere Einflüsse aus dem Familienumfeld lassen sich nie ganz ausschließen, und die Bildschirmzeit beruhte auf Angaben der Eltern. Die Forschenden betonen zudem, dass eine zusätzliche Stunde vor dem Bildschirm für ein einzelnes Kind vermutlich nicht schädlich ist. Erst auf der Ebene vieler Kinder summieren sich in ihrer Studie kleine Unterschiede auf.
Als grobe Richtschnur gilt weiterhin die Empfehlung von Fachgesellschaften: möglichst keine Bildschirmzeit vor etwa anderthalb Jahren und danach maßvoll. Statt auf einzelne Minuten zu achten, lohnt sich der Blick auf die Art der Mediennutzung, etwa welche Inhalte ein Kind sieht und ob Eltern dabei sind und mitschauen.
Quelle: DOI 10.1007/s12519-026-01046-1