Hohe Xylitwerte im Blut – mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle
Im Rahmen einer Langzeitanalyse hatten Forschende um Dr. Marco Witkowski von der Charité – Universitätsmedizin Berlin die Auswirkungen des künstlichen Süßstoffs Xylit auf kardiovaskuläre Ereignisse in der Allgemeinbevölkerung untersucht. Hierfür werten sie Daten von insgesamt 17.710 Menschen aus zwei großen Langzeitstudien aus Kanada und England aus. Die Ergebnisse werden am 29. August 2026 auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) 2026 in München vorgestellt.
Dabei zeigte sich: Menschen mit den höchsten Xylitwerten im Blut hatten häufiger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse – definiert als Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall – als Personen mit den niedrigsten Werten.
Risiko stieg mit dem Xylitspiegel
In der kanadischen Studiengruppe war das Risiko innerhalb von sechs Jahren bei hohen Xylitwerten um 57 Prozent erhöht. In der britischen Kohorte, die über 30 Jahre beobachtet wurde, lag es um 18 Prozent höher. Die Forschenden berücksichtigten dabei bekannte Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Blutfettwerte.
Zudem deuteten die Ergebnisse beider Studien auf einen Zusammenhang mit der Höhe des Xylitspiegels hin: Je höher die Werte im Blut waren, desto häufiger traten Herz-Kreislauf-Ereignisse auf.
Birkenzucker könnte die Blutgerinnung beeinflussen
Xylit ist ein Zuckeralkohol, den der Körper in geringen Mengen selbst bildet und der in einigen natürlichen Lebensmitteln in sehr geringen Mengen vorkommt. Als Süßungsmittel wird er jedoch etwa in zuckerfreien Lebensmitteln, Getränken und Mundpflegeprodukten häufig in wesentlich größeren Mengen eingesetzt, oft in mehr als 1.000-fach höher.
In früheren Untersuchungen hatte das Forschungsteam Hinweise darauf gefunden, dass Xylit die Reaktivität von Blutplättchen erhöhen und damit die Bildung von Blutgerinnseln fördern könnte.
Weitere Studien zu künstlichen Süßstoffen sind notwendig
„Künstliche Süßstoffe werden von Menschen konsumiert, die glauben, sie seien gesünder als Zucker, und sie werden von den Aufsichtsbehörden allgemein als sicher eingestuft“, merkte Dr. Witkowski an. „Unsere Langzeitbeobachtungen in der Allgemeinbevölkerung verdeutlichen, wie wenig wir über die kardiovaskuläre Sicherheit von Xylit wissen, und deuten darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, zumal der Xylit-Gehalt in Produkten weiter zunimmt.“
Die aktuellen Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass der Verzehr von Xylit nachweislich Herzinfarkte oder Schlaganfälle verursacht. Es handelt sich um Beobachtungsstudien, die lediglich einen Zusammenhang zeigen können. Hinzu kommt, dass Xylit auch im menschlichen Stoffwechsel entsteht: Hohe Blutwerte lassen sich daher nicht ohne Weiteres mit einer hohen Aufnahme über Lebensmittel gleichsetzen. Weitere Untersuchungen müssen klären, welche Rolle zugesetztes Xylit tatsächlich für das Herz-Kreislauf-Risiko spielt.