Gesundheit

Systemischer Lupus: Junge Frau erholt sich dank CAR-T-Zellen-Therapie

Natascha Koch  |  11.08.2021

Am Universitätsklinikum Erlangen wurde zum weltweit ersten Mal eine 20-Jährige mit Systemischem Lupus erythematodes behandelt – mit großem Erfolg: Ihre Beschwerden sind verschwunden. Die beteiligen Ärzte sehen dies als „Meilenstein in der Therapie von Autoimmunerkrankungen“.

Foto von der Patientin Thu-Thao V.
Die 20-jährige Patientin Thu-Thao V. ist ein halbes Jahr nach der CAR-T-Zelltherapie völlig beschwerdefrei.
© Alessa Sailer/Uni-Klinikum Erlangen

Mit Gelenkschmerzen und einem roten Gesichtsausschlag fing es an: Die damals 16-jährige Thu-Thao V. hatte bereits eine Ärztemarathon hinter sich, bis sie im Februar 2017 am Universitätsklinikum Erlangen die Diagnose erhielt: Systemischer Lupus erythematodes (SLE). Bei der lebensbedrohlichen Autoimmunerkrankung, die vor allem junge Frauen betrifft, greift das Immunsystem eigene Körperzellen in verschiedenen Organsystemen an. In der schlimmsten Phase musste die Fachoberschülerin jeden Tag knapp 20 Tabletten einnehmen, damit ihr Körper die Strapazen ihres fehlgeleiteten Immunsystems kompensieren konnte. „Zu den Gelenkschmerzen kamen auch Wassereinlagerungen durch meine Niereninsuffizienz, starkes Herzklopfen und Haarausfall. Nach einem akuten Schub waren die Beschwerden besonders schlimm“, schildert Thu-Thao V.

Nachdem auch unterschiedliche immununterdrückende Therapien die Symptome der jungen Frau nicht nachhaltig verbessern konnten, wurde der jungen Frau im März 2021 ein Präparat mit CAR-T-Zellen verabreicht. Knapp ein halbes Jahr nach der Zelltherapie ist nun gewiss: Die Gelenkschmerzen sind verschwunden, der Organismus der 20-Jährigen hat sich komplett erholt. „Ich kann sogar wieder normal Sport machen“, freut sich Thu-Thao V.

Patientin ist beschwerdefrei – auch 6 Monate später

Die Zelltherapie mit CAR-T-Zellen wird bereits bei der Behandlung von Leukämien und Lymphdrüsenkrebs erfolgreich eingesetzt. Im Falle der jungen SLE-Patientin wurde den CAR-T-Zellen die Fähigkeit beigebracht, diejenigen Immunzellen (B-Zellen) unschädlich zu machen, die Antikörper gegen körpereigene Zellen bilden. „Wir waren sehr überrascht, wie schnell sich ihr Zustand unmittelbar nach der Zellinfusion besserte“, berichtet Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos, einer der beteiligten Ärzte. „Die CAR-T-Zellen haben ihre Aufgabe ausgezeichnet erledigt und haben die krankheitsvermittelnden B-Zellen rasch zerstört.“

Bislang bisher gibt es keine Anzeichen für ein erneutes Auftreten der Erkrankung. „Ich kann endlich wieder richtig atmen und durchschlafen, außerdem habe ich keine Wassereinlagerungen mehr und die Rötungen im Gesicht sind verschwunden. Auch meine Haare wachsen schon deutlich dichter“, sagt Thu-Thao V.

„Wir sehen dies als Meilenstein in der Therapie von Autoimmunerkrankungen“, so die beteiligten Wissenschaftler. Sie planen nun eine klinische Studie mit CAR-T-Zellen bei Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen. Die Ergebnisse des Falles sind im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Quelle: 10.1056/NEJMc2107725

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