Verätzungen

ABDATA Pharma-Daten-Service  |  20.03.2026 00:00 Uhr

Verätzungen sind Verletzungen von Haut oder Schleimhäuten, die durch den Kontakt mit ätzenden Stoffen wie Säuren oder Laugen entstehen. Wie schwer die Schädigung ist, hängt von der Art, Konzentration, Menge und Dauer des Kontakts ab. Verätzungen können oberflächlich sein, aber auch tiefes Gewebe dauerhaft zerstören.

Inhaltsverzeichnis

Krankheitsbild

Ätzende Substanzen finden sich nicht nur in Industrie und Handwerk, sondern auch in vielen Haushalts- und Reinigungsmitteln. Gelangen sie auf die Haut, in die Augen oder werden verschluckt, greifen sie das Gewebe an und verursachen teils starke Schmerzen. Laugen dringen oft tiefer ins Gewebe ein als Säuren und gelten deshalb als besonders gefährlich. Verätzungen ähneln in ihrem Aussehen häufig Verbrennungen durch Hitze.

Symptome / Verlauf

Die Beschwerden hängen davon ab, welcher Körperbereich betroffen ist und wie stark die Einwirkung war.
Verätzungen der Haut oder Augen sind oft gekennzeichnet durch:

  • starke Schmerzen (manchmal auch Schmerzlosigkeit bei sehr tiefen Schäden)
  • Rötung, Schwellung oder Blasenbildung
  • Blutungen bei tieferen Hautschäden
  • Sehstörungen, Tränenfluss oder Lidkrampf bei Augenbeteiligung

Nach dem Verschlucken ätzender Stoffe können auftreten:

  • starke Schmerzen im Mund, Hals oder Brustbereich
  • Schluckbeschwerden und vermehrter Speichelfluss
  • sichtbare Veränderungen oder Blutungen der Schleimhäute

Der Schaden kann sich auch nach dem Kontakt weiter verschlimmern, da die Stoffe noch längere Zeit im Gewebe wirken.

Folgen / Komplikationen

Schwere Verätzungen können zu dauerhaften Schäden führen. Dazu gehören Narben, Gefühlsstörungen oder Bewegungseinschränkungen. Augenverätzungen können das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen oder sogar zur Erblindung führen. Werden Speiseröhre oder Magen verätzt, drohen Vernarbungen, Engstellen oder lebensbedrohliche Komplikationen. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen.

Ursachen / Risikofaktoren

Verätzungen entstehen durch den Kontakt mit Säuren oder Laugen. Häufige Auslöser sind:

  • Abfluss-, WC- und Backofenreiniger
  • Kalk- und Rostentferner
  • Desinfektions- und Bleichmittel
  • Baustoffe wie Zement, Mörtel oder Beton

Besonders gefährdet sind Menschen, die beruflich oder beim Heimwerken mit Chemikalien arbeiten, vor allem ohne geeignete Schutzkleidung. Auch Kinder sind gefährdet, wenn ätzende Produkte nicht sicher aufbewahrt werden. Unfälle passieren durch Verschütten, Spritzen, Verschlucken oder falsche Handhabung.

Das kann helfen

Das macht der Arzt: Jede Verätzung sollte ärztlich behandelt werden. Im Mittelpunkt jeglicher Versorgung steht die sofortige und gründliche Spülung, um den ätzenden Stoff zu entfernen. Je nach Verletzung werden Haut, Augen oder Schleimhäute weiter versorgt und mögliche Komplikationen überwacht. Bei schweren Verätzungen erfolgt die Behandlung im Krankenhaus, bei Augen- oder inneren Verletzungen oft durch spezialisierte Fachärzte. Schmerzbehandlung und Wundversorgung sind ebenfalls Teil der Therapie.
Das kann man selbst tun: Bei Verätzungen zählt schnelles Handeln:

  • Eigene Sicherheit beachten und direkten Kontakt mit dem Stoff vermeiden
  • Betroffene Hautstellen sofort und ausgiebig mit Wasser spülen. Zur Not gehen auch andere Flüssigkeiten wie Bier oder Limonade
  • Verunreinigte Kleidung vorsichtig entfernen
  • Augen bei Kontakt mit viel Wasser ausspülen und das gesunde Auge schützen
  • Nach Verschlucken kein Erbrechen auslösen, sondern sofort medizinische Hilfe holen
  • Generell: Notruf wählen. Eine Verätzung ist immer ein Notfall.

Zur Vorbeugung helfen Schutzmassnahmen wie Handschuhe, Schutzbrille und geeignete Arbeitskleidung sowie die sichere Aufbewahrung von Chemikalien ausserhalb der Reichweite von Kindern.

Quellenangaben:
Thews, Mutschler, Vaupel, Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Menschen, WVG, (2007), 5. Aufl. - Mutschler, Arzneimittelwirkungen, Wiss.Verl.-Ges., (2008), Aufl. 9 - Moll, Dermatologie, (2010), 7. Auflage

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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