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Weizensensitivität: Was steckt dahinter?

Kirsten Metternich von Wolff  |  20.05.2024

Beim Biss ins frische Brötchen oder nach dem Genuss einer Portion Spaghetti melden sich auf einmal Durchfall, Kopf- oder sogar Gelenkschmerzen? Oft liegt das an einer sogenannten Weizensensitivität.

Frau, lehnt einen Teller mit Brot ab.
Oft befürchten Menschen mit unklaren Magen-Darm-Beschwerden, dass sie Weizen oder Gluten nicht vertragen.
© iStock.com/Wojciech Kozielczyk

Beschwerden nach dem Konsum von Brot, Pasta oder anderen weizenhaltigen Lebensmitteln müssen nicht zwangsläufig mit einer echten Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) einhergehen. Als Auslöser kommt auch eine sogenannte Weizensensitivität infrage. Hierbei handelt es sich um eine bisher wenig erforschte Erkrankung. Vermutlich trifft sie rund fünf bis sieben Prozent der deutschen Bevölkerung. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass ein Viertel der Menschen hierzulande betroffen ist. Beobachtet wurde dabei, dass mehr Frauen als Männer und auch schon Kinder betroffen sein können. 

Es kommen mehrere Ursachen infrage

Expertinnen und Experten vermuten als mögliche Ursachen steigendes Alter, genetische Faktoren sowie allergisierende Sensitivitäten auf zahlreiche Stoffe in Lebensmitteln. Menschen, die ohnehin an einer chronischen Entzündung oder Autoimmunerkrankung leiden, sind hier besonders stark betroffen. Zu den typischen Beschwerden zählen Durchfall, Verstopfung, krampfartige Bauchschmerzen oder Blähungen. Auch Kopfschmerzen, Migräne, chronische Müdigkeit und Abgeschlagenheit, sowie Muskel- und Gelenkschmerzen können auftreten.

Um herauszufinden, ob eine Weizensensitivität vorliegt, sollte zunächst ausgeschlossen werden, dass es sich um eine Zöliakie, Weizenallergie, Reizdarmsyndrom oder eine FODMAP-Unverträglichkeit handelt. Am besten ist es, bei regelmäßigen Magen-Darm-Beschwerden zunächst einen Gastroenterologen aufzusuchen. Bleiben gängige Untersuchungen unauffällig, bietet sich das Führen eines zwei- bis vierwöchigen Ernährungstagebuchs an. Hier sollte – neben den gegessenen Lebensmitteln – vermerkt werden, ob und welche Beschwerden nach der Mahlzeit auftreten. Im Anschluss an diese Phase ist es ratsam, zwei bis vier Wochen auf weizen- oder glutenhaltige Produkte wie Brot, Pasta, Gebäck und Co zu verzichten und dies erneut zu dokumentieren. Bessern sich dabei die Symptome, liegt in den meisten Fällen eine Weizensensitivität vor.

Zöliakie, Allergie oder Sensitiviät? 

Etwa Mitte der 1980er-Jahre trat eine mögliche Weizensensitivität stärker ins Bewusstsein bei Forschenden aus Medizin und Wissenschaft. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass es einen Zusammenhang mit dem Klebereiweiß Gluten gibt, welches bei einer Zöliakie zeitlebens nicht gegessen werden sollte. Beim Gluten handelt es sich um ein Gemisch verschiedener Speicherproteine, die sich in ihrer Struktur sehr ähneln. Sie kommen bevorzugt in Weizen, Gerste, Dinkel und Roggen vor, aber auch in älteren Getreidesorten, wie Einkorn und Emmer. 

Die Bezeichnung Klebereiweiß beruht auf der Eigenschaft, dass solch ein Proteingemisch den Teig von Brot, Kuchen & Co. zusammenhält und eine geschmeidige Konsistenz entsteht. Würde Gluten fehlen, ist Backen schwieriger. Deshalb werden glutenfreien Alternativen zu Brot oder Gebäck andere Substanzen wie Flohsamenschalen, Pektin oder Guar zugesetzt, um eine ähnliche Teigkonsistenz zu erreichen. Mittlerweile weiß die Forschung, dass Gluten bei einer Weizensensitivität nicht der entscheidende Auslöser für Beschwerden ist. Deshalb sprechen Medizinerinnen und Mediziner hier auch nicht von einer Sensitivität gegenüber Gluten, sondern von einer Weizensensitivität.

Bei einer Zöliakie richtet sich das spezifische Immunsystem gegen körpereigene Enzyme, die am Gluten-Stoffwechsel beteiligt sind. Das hat zur Folge, dass nach dem Konsum glutenhaltiger Lebensmittel Entzündungen der Dünndarmschleimhaut entstehen, was die Dünndarmschleimhaut nahhaltig schädigt. Deshalb muss lebenslang auf glutenhaltige Lebensmittel verzichtet werden.

Bei einer Weizensensitivität nimmt die Darmschleimhaut keinen Schaden. Hier zeigen sich körperliche Beschwerden, auf Grund einer genetischen Disposition oder entzündlichen Veränderungen. Diese bessern sich, wenn beispielsweise auf sehr gluten- oder weizenreiche Produkte verzichtet wird.

Die Weizenallergie basiert auf einer Überreaktion des Immunsystems auf Weizeneiweiß wie Albumin, Globulin oder auch Gluten. Allerdings richtet sich das Immunsystem hier nicht gegen Körperzellen und die Darmschleimhaut wird nicht in Mitleidenschaft gezogen. Neben Magen-Darm-Beschwerden kann es zu Asthma und Ekzemen kommen.

Nicht auf eigene Faust auf Gluten verzichten

Wer vermutet, Weizen nicht zu vertragen, lässt am besten medizinisch abklären, was die Ursache des Übels ist. Denn insbesondere bei einer Weizensensitivität reicht es oft schon, Produkte mit einem hohen Anteil an Weizen, Roggen, Gerste oder Dinkel zu ersetzen. Beispielsweise gegen Alternativen wie glutenfreies Brot und Gebäck, glutenfreie Pasta oder solche aus Hülsenfrüchten, sowie Alternativen auf Basis von Hafer. Lebensmittel, die lediglich kleine Mengen glutenhaltiger Getreide enthalten, wie Saucen, Würzmischungen oder Milch- und Milchprodukte mit Zusätzen, werden bei einer Weizensensitivität in der Regel gut vertragen.

Glutenfreie Produkte wie Brot, Kuchen, Plätzchen oder Müsli-Mischungen sowie -Riegel gibt es mittlerweile in jedem Drogeriemarkt, gut sortierten Supermärkten und teils bei Discountern. Ein Nachteil glutenfreier Ersatzprodukte liegt in ihrem teils niedrigeren Ballaststoffgehalt im Vergleich zu Vollkorngetreideprodukten. Wer also, ohne es wirklich zu müssen, komplett auf Getreide verzichtet, fördert damit weder die Darmgesundheit noch eine reibungslose Verdauung oder eine gesunde Artenvielfalt an Darmbakterien, dem sogenannten Mikrobiom. Die medizinische Abklärung in Kombination mit einer Eliminationsdiät (probeweises Weglassen sehr glutenreicher Lebensmittel), ist der bessere Weg.

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