Expertin zur Abnehmspritze: Wie GLP-1-Medikamente funktionieren und für wen sie geeignet sind

Natascha SchleifElisabeth KerlerRüdiger Freund  |  12.08.2026 10:27 Uhr

Sogenannte GLP-1-Analoga gelten als Durchbruch in der Behandlung von krankhaftem Übergewicht, auch als Adipositas bezeichnet. Endokrinologin Prof. Dagmar Führer-Sakel erklärt, wer die Therapie bekommen kann, wie groß der Effekt der Abnehmspritzen ist und warum sie kein Lifestyle-Präparat fürs Abnehmen sind.

Arzt, spricht mit übergewichtigen jungen Frau.
Die Abnehmspritze kommt für Menschen mit einem BMI größer 30 infrage. Bestehen bereits gewichtsbedingte Krankheiten wie Diabetes, wird eine Therapie auch ab einem BMI von 27 empfohlen.
© Antonio_Diaz/iStockphoto

Was bedeutet die Anerkennung von Adipositas als Krankheit?

Prof. Dagmar Führer-Sakel: Die Anerkennung als Krankheit ist ein wichtiger Schritt für die Betroffenen. Das trägt zur De-Stigmatisierung bei und macht den Weg frei für eine Therapie. Fast ein Fünftel der Erwachsenen in Deutschland hat einen Body-Mass-Index (BMI) größer als 30 und ist somit adipös. Entgegen der weiterhin langläufigen Meinung reichen Disziplin, Diät und Bewegung oft eben nicht mehr aus, um das Körpergewicht auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Hinzukommen Folgeerkrankungen. Insofern ist der Wandel von einer Art als „kosmetisch störend" empfundenen Körpers zu einer chronischen Erkrankung umso wichtiger.

Wer kann Abnehmspritzen verschrieben bekommen?

Führer-Sakel: Ursprünglich wurden die sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten für die Therapie des Typs 2-Diabetes mellitus entwickelt. Zur Behandlung von Adipositas kommen die Medikamente nach den Empfehlungen des europäischen Adipositas-Verbandes ab einem BMI größer 30 infrage. Bei mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung oder anderen Komplikationen wird eine Therapie auch ab einem BMI von 27 empfohlen. Unabhängig davon übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel allerdings die Kosten nur zur Behandlung des Diabetes. 

Was können GLP-1-Medikamente bewirken?

Führer-Sakel: Mit der Diagnose Adipositas geht ein erhöhtes Risiko für Diabetes und weitere gefährliche Begleiterkrankungen einher, zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems und auch für Krebs. Die Lebenserwartung ist bei Adipositas signifikant reduziert – umso wichtiger ist es, die Erkrankung nun auch effektiv zu behandeln. Für viele Betroffene war zuvor eine bariatrische Operation die einzige effektive und evidenzgesicherte Therapie, die sogar einen zuvor bestehenden Diabetes zum Verschwinden bringen kann. Jede Operation, so wichtig und richtig sie auch ist, birgt aber auch Risiken. 

Wie effektiv wirken die Abnehmspritzen im Vergleich zu einer Magen-OP?

Führer-Sakel: Mit den neuen Hormontherapien, welche sich die Betroffenen als wöchentliche Spritze verabreichen können, lässt sich das Gewicht inzwischen fast so reduzieren wie durch einen chirurgischen Eingriff am Magen-Darm-Trakt, und der Stoffwechsel lässt sich optimieren. Insofern ist die GLP-1-basierte Hormontherapie als echter Durchbruch in der Adipositas-Behandlung zu werten. Mittlerweile wissen wir, dass sich die Medikamente darüber hinaus auch positiv auf viele Begleiterkrankungen der Adipositas auswirken.

Wie läuft die Behandlung mit einer Abnehmspritze ab?

Führer-Sakel: Nach einer medizinischen Abklärung, in der wir hormonelle und seltene genetische Ursachen prüfen, den Adipositas-Typ sowie Begleiterkrankungen erfassen, starten wir mit einer niedrigen Dosis einer GLP1-Analoga-basierten Therapie. Diese steigern wir langsam. So können wir Nebenwirkungen minimieren. Die Injektion können Patienten selbst subkutan vornehmen. Das heißt, unter die Haut in den Bauch oder Oberschenkel spritzen. Wir kontrollieren Nebenwirkungen, Gewichtsverlauf, Körperzusammensetzung, Blutwerte und die Begleiterkrankungen. Es handelt sich um eine Langzeittherapie. 

Was müssen Patienten während der Therapie beachten? 

Führer-Sakel: Ernährung und Bewegung bleiben – trotz medikamentöser Behandlung – wichtige Grundpfeiler der Adipositas-Therapie. Das müssen wir auch einfordern, zumal wir auch eine Abnahme von Muskelmasse unter den Therapien beobachten und daher körperliche Aktivität unverzichtbar ist. 

Darf man die Abnehmspritze absetzen, wenn man genug abgenommen hat?

Führer-Sakel: Für einen nachhaltigen Therapieeffekt müssen die Medikamente dauerhaft eingesetzt werden. Schließlich ist Adipositas eine chronische Erkrankung. So wie wir zum Beispiel Medikamente zur Behandlung des Bluthochdrucks nicht einfach nach einer Zeit absetzen können, weil die Ursache des Hochdrucks weiterhin besteht, können wir das auch bei Adipositas nicht. Deshalb kann man gar nicht genug betonen, dass die Medikamente keine Lifestyle-Präparate für gesunde, normalgewichtige Menschen sind.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Führer-Sakel: Die Medikamente sind sehr effektiv und werden in der Regel auch gut vertragen. Wichtig ist, dass man die Dosis langsam steigert, um typische Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, aber auch Verstopfung oder selten Durchfall zu vermeiden. 

Für wen kommen Abnehmspritzen infrage?

Führer-Sakel: Ursprünglich wurden die sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten für die Therapie des Typs 2-Diabetes mellitus entwickelt. Zur Behandlung von Adipositas kommen die Medikamente nach den Empfehlungen des europäischen Adipositas-Verbandes ab einem BMI größer 30 infrage. Bei mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung oder anderen Komplikationen wird eine Therapie auch ab einem BMI von 27 empfohlen. Unabhängig davon übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel allerdings die Kosten nur zur Behandlung des Diabetes. 

Welche Vorteile haben GLP-1-Medikamente?

Führer-Sakel: Mit der Diagnose Adipositas geht ein erhöhtes Risiko für Diabetes und weitere gefährliche Begleiterkrankungen einher, zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems und auch für Krebs. Die Lebenserwartung ist bei Adipositas signifikant reduziert – umso wichtiger ist es, die Erkrankung nun auch effektiv zu behandeln. Für viele Betroffene war zuvor eine bariatrische Operation die einzige effektive und evidenzgesicherte Therapie, die sogar einen zuvor bestehenden Diabetes zum Verschwinden bringen kann. Jede Operation, so wichtig und richtig sie auch ist, birgt aber auch Risiken. 

Wie effektiv wirken die Abnehmspritzen im Vergleich zu einer Magen-OP?

Führer-Sakel: Mit den neuen Hormontherapien, welche sich die Betroffenen als wöchentliche Spritze verabreichen können, lässt sich das Gewicht inzwischen fast so reduzieren wie durch einen chirurgischen Eingriff am Magen-Darm-Trakt, und der Stoffwechsel lässt sich optimieren. Insofern ist die GLP-1-basierte Hormontherapie als echter Durchbruch in der Adipositas-Behandlung zu werten. Mittlerweile wissen wir, dass sich die Medikamente darüber hinaus auch positiv auf viele Begleiterkrankungen der Adipositas auswirken.

Wie läuft die Behandlung mit einer Abnehmspritze ab?

Führer-Sakel: Nach einer medizinischen Abklärung, in der wir hormonelle und seltene genetische Ursachen prüfen, den Adipositas-Typ sowie Begleiterkrankungen erfassen, starten wir mit einer niedrigen Dosis einer GLP1-Analoga-basierten Therapie. Diese steigern wir langsam. So können wir Nebenwirkungen minimieren. Die Injektion können Patienten selbst subkutan vornehmen. Das heißt, unter die Haut in den Bauch oder Oberschenkel spritzen. Wir kontrollieren Nebenwirkungen, Gewichtsverlauf, Körperzusammensetzung, Blutwerte und die Begleiterkrankungen. Es handelt sich um eine Langzeittherapie. 

Was müssen Patienten während der Therapie beachten? 

Führer-Sakel: Ernährung und Bewegung bleiben – trotz medikamentöser Behandlung – wichtige Grundpfeiler der Adipositas-Therapie. Das müssen wir auch einfordern, zumal wir auch eine Abnahme von Muskelmasse unter den Therapien beobachten und daher körperliche Aktivität unverzichtbar ist. 

Wie lange muss die Abnehmspritze angewendet werden?

Führer-Sakel: Für einen nachhaltigen Therapieeffekt müssen die Medikamente dauerhaft eingesetzt werden. Schließlich ist Adipositas eine chronische Erkrankung. So wie wir zum Beispiel Medikamente zur Behandlung des Bluthochdrucks nicht einfach nach einer Zeit absetzen können, weil die Ursache des Hochdrucks weiterhin besteht, können wir das auch bei Adipositas nicht. Deshalb kann man gar nicht genug betonen, dass die Medikamente keine Lifestyle-Präparate für gesunde, normalgewichtige Menschen sind.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Führer-Sakel: Die Medikamente sind sehr effektiv und werden in der Regel auch gut vertragen. Wichtig ist, dass man die Dosis langsam steigert, um typische Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, aber auch Verstopfung oder selten Durchfall zu vermeiden. 

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