Überblick
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein zentrales Organ im Verdauungssystem. Sie hat zwei Funktionen: Der exokrine Teil bildet Enzyme für die Verdauung. Der endokrine Teil produziert Hormone wie Insulin und Glukagon zur Regulierung des Blutzuckers. Entzündet sich dieses Organ, spricht man von einer Bauchspeichendrüsenentzündung oder fachsprachlich einer Pankreatitis. Die Entzündung kann akut oder chronisch verlaufen.
In Deutschland werden pro Jahr etwa 30.000 bis 40.000 Menschen mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung im Krankenhaus behandelt. Die Erkrankung tritt häufiger bei Erwachsenen auf – insbesondere im mittleren bis höheren Lebensalter. Männer sind etwas häufiger betroffen, vor allem bei alkoholbedingter Ursache. Eine akute Pankreatitis beginnt meist plötzlich mit heftigen Oberbauchschmerzen und ist ein medizinischer Notfall. Häufige Auslöser sind Gallensteine oder übermäßiger Alkoholkonsum. In den meisten Fällen heilt die akute Form bei frühzeitiger Behandlung vollständig aus.
Chronische Verläufe hingegen entwickeln sich über längere Zeit – oft durch wiederholte akute Entzündungen. Dabei wird das Gewebe dauerhaft geschädigt, was die Verdauung und den Stoffwechsel langfristig beeinträchtigen kann.
Eine gesunde Lebensweise, insbesondere ein maßvoller Umgang mit Alkohol und eine rechtzeitige Behandlung von Gallenwegserkrankungen, kann helfen, einer Pankreatitis vorzubeugen.
Symptome einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung
Die Beschwerden bei einer Pankreatitis können je nach Verlauf sehr unterschiedlich sein – akut und plötzlich oder langsam zunehmend.
Typische Anzeichen einer akuten Pankreatitis:
- Plötzliche, starke Schmerzen im Oberbauch – häufig gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend
- Übelkeit, Erbrechen und aufgeblähter Bauch
- Fieber, Schwächegefühl, Kreislaufprobleme
- Druckempfindlicher Oberbauch, oft mit harter Bauchdecke (Abwehrspannung)
- In schweren Fällen: Atemnot, Gelbsucht oder Kreislaufschock
Bei chronischer Pankreatitis zeigen sich eher unspezifische, wiederkehrende Beschwerden:
- Wiederholte Oberbauchschmerzen, vor allem nach dem Essen
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Fettige, übelriechende Stühle (Fettstühle) durch Enzymmangel
- Völlegefühl, Blähungen, Verdauungsprobleme
- Später: Entwicklung eines Diabetes, da die Insulinproduktion gestört wird
- Manche Patientinnen und Patienten entwickeln eine sogenannte exokrine Pankreasinsuffizienz – also eine eingeschränkte Enzymproduktion, die zu Verdauungsstörungen führt.
Treten plötzlich starke Oberbauchschmerzen auf – besonders in Verbindung mit Übelkeit, Fieber oder Gelbsucht –, sollte sofort ärztlicher Rat eingeholt werden.
Verlauf
Eine akute Pankreatitis beginnt plötzlich und kann mild bis schwer verlaufen. In den meisten Fällen klingt die Entzündung unter medizinischer Behandlung innerhalb weniger Tage bis Wochen ab. In schweren Fällen kann es jedoch zu Komplikationen kommen – etwa zu Gewebezerfall (Pankreasnekrose), Infektionen und Abszessen, Organversagen oder einem Kreislaufschock. Eine intensivmedizinische Betreuung kann dann notwendig sein.
Eine chronische Pankreatitis entsteht häufig durch wiederholte akute Entzündungen, insbesondere bei fortgesetztem Alkoholkonsum. Das Bauchspeicheldrüsengewebe wird nach und nach durch Narbengewebe ersetzt. Die Folge sind dauerhafte Verdauungsprobleme, Mangelernährung und oft auch Diabetes mellitus, da die Insulinproduktion gestört ist. Die Schmerzen können mit der Zeit nachlassen, während die Funktion des Organs weiter abnimmt.
Ursachen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung
Die Auslöser einer Bauchspeicheldrüsenentzündung unterscheiden sich je nach Form der Erkrankung.
Ursachen einer akuten Pankreatitis
- Gallensteine: Der häufigste Auslöser in Deutschland. Kleine Steine können den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse blockieren, sodass Verdauungsenzyme sich stauen und das Organ „sich selbst verdaut“.
- Alkoholkonsum: Besonders bei regelmäßigem, übermäßigem Konsum – auch ein einmaliger „Alkoholrausch“ kann eine akute Entzündung auslösen.
- Medikamente: Einige Arzneimittel – wie bestimmte Entwässerungsmittel, Antibiotika oder Immunsuppressiva – können selten eine Pankreatitis verursachen.
- Infektionen, wie Mumps oder Hepatitis-Viren
- Stoffwechselstörungen, etwa stark erhöhte Blutfettwerte oder Kalziumspiegel
- Verletzungen, zum Beispiel nach Operationen oder Unfällen im Bauchbereich
Ursachen einer chronischen Pankreatitis
- Langjähriger Alkoholmissbrauch ist in bis zu 80 Prozent der Fälle die Ursache
- Vererbbare Stoffwechselstörungen oder Gendefekte können bei jüngeren Betroffenen eine Rolle spielen
- Seltene Form einer Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem die Bauchspeicheldrüse angreift
- Anatomische Fehlbildungen
- Chronische Gallenwegserkrankungen
Durch einen gesunden Lebensstil sowie einigen ergänzenden Maßnahmen kann man einer Pankreatitis vorbeugen:
- Mäßiger Alkoholkonsum – bei Vorerkrankungen am besten ganz vermeiden
- Gallensteine rechtzeitig behandeln lassen
- Gesunde Ernährung mit wenig Fett und ausgewogener Kost kann Entzündungen entgegenwirken
- Rauchstopp – Rauchen fördert chronische Entzündungen
- Bei bekannten Risiken regelmäßige ärztliche Kontrollen, vor allem bei wiederholten Oberbauchbeschwerden
- Auch die Impfung gegen Mumps im Kindesalter kann vorbeugend wirken
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ist schnelles Handeln wichtig, vor allem bei akuten Beschwerden. Die Diagnose stützt sich auf die typischen Symptome, Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren.
Wichtige Diagnoseschritte:
- Ärztinnen und Ärzte – meist Internisten mit Erfahrung in Magen-Darm-Erkrankungen – fragen nach Art, Dauer und Lage der Schmerzen sowie nach möglichen Auslösern wie Alkoholkonsum oder Gallensteinen. Der Bauch wird auf Druckschmerz und Abwehrspannung untersucht.
- Blutuntersuchung auf Lipase und Amylase, da diese Verdauungsenzyme bei einer akuten Entzündung oft stark erhöht sind.
- Weitere Laborwerte wie Entzündungsmarker (CRP), Blutzucker, Leberwerte oder Elektrolyte helfen, das Ausmaß und mögliche Folgen einzuschätzen.
- Ein Ultraschall des Bauchs hilft, Gallensteine oder Flüssigkeitsansammlungen zu erkennen.
- Eine Computertomografie (CT) liefert Aufschluss über Schweregrad und mögliche Komplikationen wie Gewebezerfall, Abszesse oder Pseudozysten.
- Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Endoskopische Darstellung der Gallenwege (ERCP) werden bei Verdacht auf Gallenwegsverengungen oder zur weiteren Abklärung bei chronischer Pankreatitis angewendet.
- Eine Stuhluntersuchung liefert Hinweise auf eine eingeschränkte Enzymproduktion durch das Pankreas.
Eine frühzeitige und sichere Diagnose ist entscheidend, um mögliche Komplikationen zu verhindern und die richtige Behandlung einzuleiten.
Behandlung
Die Behandlung einer Pankreatitis richtet sich nach der Schwere und Ursache der Erkrankung. Bei der akuten Form steht die Stabilisierung im Vordergrund, bei der chronischen geht es vor allem darum, Schmerzen zu lindern und die Organfunktion zu erhalten.
Akute Pankreatitis – Therapie
- In den meisten Fällen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig – bei schweren Verläufen auf der Intensivstation.
- In der Anfangsphase (24-48 Stunden) wird meist auf Nahrung verzichtet, um die Bauchspeicheldrüse zu entlasten.
- Flüssigkeit und Nährstoffe werden über die Vene zugeführt.
- Schmerzen werden über Schmerzmittel reguliert.
- Infusionen stabilisieren den Kreislauf.
- Bei Gallensteinen kann eine endoskopische Entfernung notwendig sein.
- Infektionen oder Komplikationen wie Abszesse erfordern gegebenenfalls eine Operation oder Antibiotikatherapie.
Chronische Pankreatitis – Therapie
- Der wichtigste Therapieschritt ist der Verzicht auf Alkohol – selbst geringe Mengen können neue Schübe auslösen.
- Eine Ernährungsumstellung ist ein weiterer Grundpfeiler der Therapie.
- Die Diätkost bei chronischer Pankreatitis besteht aus fettarmen Suppen, gegartem Gemüse, Haferbrei, Zwieback, Reis, Kartoffeln, Magerquark und Naturjoghurt.
- Nicht auf dem Diätplan stehen frittierte Speisen, fettreiche Kost, geräuchertes Fleisch, Wurstwaren, zuckerhaltige Speisen, Kaffee und koffeinhaltige Getränke, stark gewürzte oder blähende Speisen wie Kohl oder Hülsenfrüchte.
- Pankreasenzyme in Kapselform helfen, die Verdauung zu verbessern und Mangelerscheinungen zu vermeiden.
- Oft sind langwirksame Schmerzmittel oder – bei stärkeren Beschwerden – spezialisierte Schmerzkonzepte erforderlich.
- Wenn die Insulinproduktion gestört ist, kann eine Behandlung mit Insulin notwendig werden.
- In seltenen Fällen bei starker Verengung der Pankreasgänge oder anhaltenden Schmerzen kann eine chirurgische Intervention notwendig werden.
Je früher die Behandlung beginnt und Auslöser vermieden werden, desto besser lässt sich die Organfunktion erhalten – vor allem bei der chronischen Form.
Was die Apotheke rät
- Achten Sie darauf, Pankreasenzyme richtig einzunehmen. Sie müssen mit dem ersten Bissen der Mahlzeit eingenommen werden, um die Verdauung optimal zu unterstützen.
- Ihre Apotheke empfiehlt Ihnen alkoholfreie Medikamente, da auch kleine Mengen Alkohol problematisch sein können.
- Eine Ergänzung von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) und Vitamin B12 kann bei chronischer Pankreatitis nötig sein.
- Behalten Sie Ihren Blutzucker im Blick, besonders bei der chronischen Form. Passende Messgeräte und Teststreifen gibt es in der Apotheke.
- Lassen Sie sich eine Ernährungsberatung vermitteln. Tipps und Empfehlungen finden Sie in Ihrer Apotheke.
Kurz zusammengefasst
- Eine Pankreatitis ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse und kann akut oder chronisch verlaufen.
- Häufige Auslöser sind Gallensteine und übermäßiger Alkoholkonsum.
- Typisch sind starke Oberbauchschmerzen, Verdauungsprobleme und im Verlauf auch Diabetes.
- Die Behandlung erfolgt meist im Krankenhaus und richtet sich nach der Ursache und Schwere.
- Alkoholverzicht, gesunde Ernährung und Enzymersatz sind wichtige Bestandteile der Langzeittherapie.
zuletzt aktualisiert: 23.04.2026
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