Schon heute leben viele ältere Menschen mit Demenz – und ihre Zahl könnte deutlich steigen. Entscheidend ist dabei nicht nur das Alter, sondern auch, wie gut es gelingt, Risiken früh zu senken.
2,1 Millionen Demenzfälle erwartet
Eine aktuelle Analyse zeigt: In Deutschland könnte die Zahl der Demenzkranken bis 2060 von derzeit rund 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen steigen. Der wichtigste Treiber ist die steigende Lebenserwartung. Denn: Mit zunehmendem Alter wächst das Risiko für Demenz deutlich.
Große Unterschiede je nach Region
Auffällig sind die starken regionalen Unterschiede. In jüngeren, städtischen Regionen fallen die Prognosen deutlich günstiger aus als in ländlichen Gebieten mit älterer Bevölkerung. So erwartet die Studie für München einen Anteil von Menschen mit Demenz von 1,7 Prozent. In ländlichen Regionen wie dem Landkreis Elbe-Elster könnten es 6,2 Prozent sein.
Belastung für Gesellschaft und Gesundheitssystem
Neben der Gesamtzahl haben Forschende auch die Versorgung betrachtet. Während 2020 rund 2,6 Demenzkranke auf 100 Erwerbstätige kamen, könnten es 2060 bis zu 4,7 sein. In einzelnen Regionen sogar deutlich mehr. Das bedeutet: Immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Betroffene mitversorgen – etwa durch Pflege, Betreuung und Gesundheitsversorgung.
Warum das Thema jeden betrifft – auch in jüngeren Jahren
Die Entwicklung ist jedoch nicht unausweichlich. Wichtigste Erkenntnis: Vorbeugung hat ein großes Potenzial. Laut Analyse könnten gezielte Maßnahmen die Zahl der Erkrankungen deutlich begrenzen – im besten Fall stabil auf etwa 1,3 bis 1,5 Millionen. Zu den möglichen Ansatzpunkten zählen:
Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes
Rauchstopp
Förderung von Bildung
Behandlung von Hörproblemen
Vermeidung sozialer Isolation
Das sind Faktoren, die sich zumindest teilweise beeinflussen lassen. Für den Alltag bedeutet das: Ein gesunder Lebensstil und die Behandlung von Risikofaktoren könnten langfristig helfen, das persönliche Risiko zu senken.
Wie belastbar sind die Ergebnisse?
Die Prognosen beruhen auf einer Modellrechnung, die demografische Entwicklungen mit Gesundheitsdaten kombiniert. Dabei wurden nur klar diagnostizierte, nicht reversible Demenzformen wie besipielsweise Alzheimer berücksichtigt. Die Zahlen gelten daher als eher vorsichtige Schätzung. Wie sich die Situation tatsächlich entwickelt, hängt stark davon ab, wie erfolgreich Prävention und Versorgung künftig sind.
Quelle: DOI 10.1007/s10654-026-01392-4