Studie stellt Calcium und Vitamin D infrage: Expertin sieht 16 Prozent weniger Hüftfrakturen

Katrin Faßnacht-LeePharmazeutische Zeitung  |  21.07.2026 11:47 Uhr

Eine große Analyse sieht nur einen geringen Nutzen von Calcium und Vitamin D zur Vorbeugung von Knochenbrüchen. Die Osteoporose-Expertin Friederike Thomasius hält die bisherigen Empfehlungen dennoch für richtig. Sie erklärt, warum sie dieselben Studiendaten anders bewertet und weshalb sie eine Kombination beider Präparate weiterhin empfiehlt.

Ältere Frau löst Brausetablette in einem Glas Wasser auf.
Calcium und Vitamin D werden verordnet, um dem Knochenabbau entgegenzuwirken.
© Miljan Živković/iStockphoto

Die kanadische Metaanalyse bewertet den Nutzen von Calcium und Vitamin D zurückhaltend. Für Dr. Friederike Thomasius greift diese Einschätzung jedoch zu kurz. Im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung verweist die Osteoporose-Expertin darauf, dass die aktuelle Osteoporose-Leitlinie eine Kombination aus Calcium und Vitamin D empfiehlt, wenn eine Supplementierung erforderlich ist.

Warum die Kombination aus Calcium und Vitamin D doch wirkt

Sollten Menschen Calcium und Vitamin D nach der neuen Analyse überhaupt noch einnehmen? Laut Thomasius gibt es regelmäßig Studien, die den Nutzen einer Supplementation in Frage stellen. „Wenn man sich die Studie aber genau ansieht, zeigt sie, dass die Einnahme von Calcium oder Vitamin D allein keinen Schutzeffekt hat, die Kombination von beiden aber schon. Und das steht bereits in den Leitlinien, dass nur eine Kombination wirksam ist“, betont die Expertin.

16 Prozent weniger Hüftfrakturen: Warum das für Experten wichtig ist

Die Studie habe für die Gabe der Kombination im Vergleich zu Placebo eine Schutzfunktion bei Hüftfrakturen um 16 Prozent und für jegliche andere Brüche um 9 Prozent ergeben, was die Autoren als geringen bis keinen Effekt angaben. „Doch auf Bevölkerungsebene bedeuten Effekte in dieser Höhe viele verhinderte Frakturen“, gibt Thomasius zu Bedenken.

Auch kleine Effekte können viele Knochenbrüche verhindern

Außerdem sei in der Analyse eine Risikoreduktion von Hüftfrakturen von 0,3 Prozent angegeben. Auch wenn das zunächst wenig klingt, betont die Osteoporose-Expertin: „In Deutschland haben wir pro Jahr 130.000 bis 160.000 Hüftfrakturen, die pro Fall mindestens 20.000 Euro Folgekosten verursachen. Wenn man nur 0,3 Prozent von diesen verhindert, ist das schon eine Ersparnis von 7,8 bis 9,6 Millionen Euro pro Jahr an direkten Folgekosten.“ Außerdem bliebe einigen Menschen viel Leid erspart.

Wer Calcium und Vitamin D laut Expertin weiterhin einnehmen sollte

Wichtig für starke Knochen sind schon im Kindesalter eine ausgewogene Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung. Personen mit erhöhtem Risiko für Osteoporose, mit niedriger Knochendichte und geringer Calciumzufuhr oder Sonnenexposition, empfiehlt Thomasius weiterhin eine Kombination aus Calcium und Vitamin D. Und: „Ganz essenziell für die Knochengesundheit bei jungen Mädchen und Frauen ist auch ein regelmäßiger Monatszyklus, weil der Knochen Estrogen-reguliert ist. Häufig wird erst ab einem Alter von 50 Jahren auf die Knochengesundheit geschaut, das müsste aber vorher beginnen.“

Quelle: DOI: 10.1136/bmj-2025-088050.

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