Studie zweifelt an Calcium und Vitamin D: Expertin verweist auf 16 Prozent weniger Hüftfrakturen

Katrin Faßnacht-LeePharmazeutische Zeitung  |  14.07.2026 10:43 Uhr

Eine große Metaanalyse stellt den Nutzen von Calcium und Vitamin D zur Vorbeugung von Knochenbrüchen in Frage. Für die Osteoporose-Expertin Friederike Thomasius sind die Ergebnisse jedoch kein Grund, die bisherigen Empfehlungen zu ändern. Sie verweist auf eine um 16 Prozent niedrigere Rate an Hüftfrakturen und erklärt, warum sie die Ergebnisse anders bewertet.

Eine Person hält zwei Pillen jeweils zwischen Daumen und Zeigefinger.
Hilft es der Knochengesundheit, wenn man Calcium und Vitamin D supplementiert? In der Kombination schon.
© Stepan Popov/iStockphoto

Die kanadische Metaanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass Calcium oder Vitamin D allein Knochenbrüche kaum verhindern und bewertet den Gesamtnutzen als gering. Warum sieht die Osteoporose-Expertin Dr. Friederike Thomasius vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum das anders? Sie weist im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung darauf hin, dass die Analyse durchaus einen Nutzen zeigt: Die Kombination aus Calcium und Vitamin D verringerte das Risiko für Hüftfrakturen um 16 Prozent.

Warum die Kombination aus Calcium und Vitamin D doch wirkt

Sollten Menschen Calcium und Vitamin D nach der neuen Analyse überhaupt noch einnehmen? Laut Thomasius gibt es regelmäßig Studien, die den Nutzen einer Supplementation in Frage stellen. „Wenn man sich die Studie aber genau ansieht, zeigt sie, dass die Einnahme von Calcium oder Vitamin D allein keinen Schutzeffekt hat, die Kombination von beiden aber schon. Und das steht bereits in den Leitlinien, dass nur eine Kombination wirksam ist“, betont die Expertin.

Der Streitpunkt liegt in der Bewertung der Zahlen

Die Studie habe für die Gabe der Kombination im Vergleich zu Placebo eine Schutzfunktion bei Hüftfrakturen um 16 Prozent und für jegliche andere Brüche um 9 Prozent ergeben, was die Autoren als geringen bis keinen Effekt angaben. „Doch auf Bevölkerungsebene bedeuten Effekte in dieser Höhe viele verhinderte Frakturen“, gibt Thomasius zu Bedenken.

0,3 Prozent weniger Hüftfrakturen können Millionen Euro sparen

Außerdem sei in der Analyse eine Risikoreduktion von Hüftfrakturen von 0,3 Prozent angegeben. Auch wenn das zunächst wenig klingt, betont die Osteoporose-Expertin: „In Deutschland haben wir pro Jahr 130.000 bis 160.000 Hüftfrakturen, die pro Fall mindestens 20.000 Euro Folgekosten verursachen. Wenn man nur 0,3 Prozent von diesen verhindert, ist das schon eine Ersparnis von 7,8 bis 9,6 Millionen Euro pro Jahr an direkten Folgekosten.“ Außerdem bliebe einigen Menschen viel Leid erspart.

Für wen Calcium und Vitamin D weiterhin empfohlen werden

Wichtig für starke Knochen sind schon im Kindesalter eine ausgewogene Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung. Personen mit erhöhtem Risiko für Osteoporose, mit niedriger Knochendichte und geringer Calciumzufuhr oder Sonnenexposition, empfiehlt Thomasius weiterhin eine Kombination aus Calcium und Vitamin D. Und: „Ganz essenziell für die Knochengesundheit bei jungen Mädchen und Frauen ist auch ein regelmäßiger Monatszyklus, weil der Knochen Estrogen-reguliert ist. Häufig wird erst ab einem Alter von 50 Jahren auf die Knochengesundheit geschaut, das müsste aber vorher beginnen.“

Quelle: DOI: 10.1136/bmj-2025-088050.

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