Schilddrüsenunterfunktion kann Darmbeschwerden fördern

Hanke Huber  |  26.05.2026 11:14 Uhr

Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion leiden offenbar häufiger unter einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms. Eine neue Studie zeigt, wie sich bei Betroffenen die Zusammensetzung der Darmflora verändert – mit möglichen Folgen wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Verstopfung.

Frau liegt auf dem Rücken mit einer Wärmflasche auf dem Bauch.
Studie zeigt: Darmbeschwerden kommen bei Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion häufiger vor.
© Michael Heim/iStockphoto

Eine Überwucherung des Dünndarms mit Bakterien, auch als SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) bezeichnet, kann mit Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder einem ausgeprägten Völlegefühl einhergehen. Bleibt die Erkrankung länger bestehen, sind zudem Mangelerscheinungen durch eine beeinträchtigte Nährstoffaufnahme möglich. 

Schilddrüsenunterfunktion erhöht Risiko für Veränderung der Darmflora

US-Forschende vom Cedars-Sinai Medical Centers fanden nun Hinweise darauf, dass eine Schilddrüsenunterfunktion, medizinisch Hypothyreose, das Risiko für eine solche bakterielle Fehlbesiedlung erhöhen könnte. Ihre Studie ergab, dass Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion ein mehr als doppelt so hohes Risiko hatten, an SIBO zu erkranken, als Patienten mit normaler Schilddrüsenfunktion. 

Bestimmte Darmbakterien kommen häufiger vor

Auch das Bakterienmuster variierte. Bei Patienten, die sowohl an Hypothyreose als auch an SIBO litten, dominierten Klebsiella-Bakterien anstelle der Bakteriengruppen, die üblicherweise bei SIBO zu beobachten sind, berichten die Autoren. Dies deutet darauf hin, dass eine Hypothyreose nicht nur das Risiko für SIBO erhöhen, sondern auch die Art der beteiligten Bakterien beeinflussen könnte. Frühere Forschungen des Cedars-Sinai Medical Centers hatten gezeigt, dass Klebsiella das Gleichgewicht und die Wechselwirkungen der Bakterien im Dünndarm stärker stören könnte als manche andere Bakteriengruppen. 

Therapie mit Schilddrüsenhormon könnte Risiko senken

Interessant war zudem, dass Patienten, die zur Behandlung ihrer Schilddrüsenerkrankung als das Ersatzhormon Levothyroxin erhielten, im Vergleich zu unbehandelten Patienten offenbar ein geringeres Risiko für SIBO hatten. Es sei möglich, dass die Hormonersatztherapie die Darmmotilität beeinflusse, was wiederum dazu beitragen könnte, die bakterielle Überbesiedelung im Dünndarm zu verringern, so die Forscher.

Wie helfen die Ergebnisse in der Praxis?

Für die Praxis könnte dies bedeuten: Wenn ein Mensch mit Hypothyreose über gastrointestinale Symptome wie Blähungen oder veränderte Stuhlgewohnheiten klagt, könnten Ärzte eine Untersuchung auf SIBO in Betracht ziehen. Ebenso kann bei jemandem, der unter Blähungen, Verstopfung oder unerklärlichen gastrointestinalen Symptomen leidet, ein Blick auf die Schilddrüsenfunktion sinnvoll sein. 

DOI: 10.1210/clinem/dgaf495

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