Deutlich weniger Brustkrebsfälle nach Anwendung von Abnehmspritzen
Frauen, die sogenannte GLP‑1‑Rezeptoragonisten spritzten, entwickelten laut einer großen Analyse deutlich seltener Brustkrebs als vergleichbare Frauen ohne diese Therapie. GLP-1-Medikamente ahmen ein natürlich vorkommendes Hormon namens Glucagon-like Peptide-1 nach, das dabei hilft, den Appetit sowie den Blutzuckerspiegel zu regulieren.Der Unterschied war erheblich. Das Risiko lag je nach Auswertung rund 30 Prozent niedriger. und klingt nach einem möglichen Zusatznutzen der bekannten Abnehm- und Diabetesmittel. Wichtig ist jedoch: Die Studie zeigt einen Zusammenhang – keinen Beweis für eine ursächliche Schutzwirkung.
Die Studie verglich Daten von über 111000 Frauen
Die Daten stammen aus einer großen Beobachtungsstudie mit Frauen im Alter von 45 bis 80 Jahren mit Übergewicht oder Adipositas. Ein Teil von ihnen hatte ein GLP‑1‑Medikament verschrieben bekommen, der größere Teil nicht.
Die Forschenden der University of Pennsylvania School of Medicine verglichen zwei Gruppen. Die erste Gruppe umfasste die gesamte Studienpopulation von 111646 Frauen. Die zweite bestand aus einer kleineren Vergleichsgruppe in der Frauen mit ähnlichen Merkmalen wie Vorerkrankungen, Alter und Gewicht paarweise gegenübergestellt wurden, um Verzerrungen zu verringern. Die Ergebnisse waren in beiden Analysen ähnlich: Frauen mit GLP‑1‑Therapie hatten deutlich geringere Erkrankungsraten.
Warum könnten GLP-1-Wirkstoffe schützend wirken?
Übergewicht, besonders nach den Wechseljahren, gilt als wichtiger Risikofaktor für Brustkrebs. GLP‑1‑Medikamente unterstützen wirksam beim Abnehmen – und könnten so indirekt das Risiko senken. Doch das ist nicht die einzige Erklärung. Diskutiert werden auch weitere Effekte:
Weniger Entzündungen im Körper, die an der Krebsentstehung beteiligt sein können
Veränderungen im Stoffwechsel
Einflüsse auf genetische Regulationsprozesse (Epigenetik). Sie bestimmen wann und wo im Körper bestimmte Eiweißstoffe gebildet werden.
Welche Rolle diese Mechanismen tatsächlich spielen, ist noch unklar.
Weshalb man keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte
Die Ergebnisse sind für viele Frauen interessant, weil Brustkrebs eine der häufigsten Krebserkrankungen ist und vorbeugende Möglichkeiten begrenzt sind. GLP‑1‑Medikamente könnten künftig eine Option werden – wenn sich der Effekt in klinischen Studien bestätigt.
Doch: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie – Ursache und Wirkung bleiben offen. Zudem wurden die Unterschiede zwischen einzelnen Wirkstoffen nicht analysiert. Auch Faktoren wie Einnahmedauer, genetisches Risiko oder Tumorarten fehlten. Die Forschenden planen deshalb klinische Studien, um gezielt zu prüfen, ob GLP‑1‑Medikamente Brustkrebs tatsächlich vorbeugen können.
Quelle: DOI: 10.1200/OP-26-00485