Was steckt wirklich hinter basischer Ernährung, pH-Wert und sauren Lebensmitteln? In dieser Folge erklärt eine Ernährungswissenschaftlerin, was Sache ist.
Was steckt wirklich hinter basischer Ernährung, pH-Wert und sauren Lebensmitteln? In dieser Folge erklärt eine Ernährungswissenschaftlerin, was Sache ist.
In dieser Podcastfolge erklärt Ernährungswissenschaftlerin Kathrin Fastnacht verständlich, was hinter dem Begriff Säure-Basen-Haushalt steckt. Grundlage ist der sogenannte pH-Wert. Er zeigt, wie sauer oder basisch eine Substanz ist. Ein pH-Wert von 7 gilt als neutral, darunter wird es sauer, darüber basisch.
Im menschlichen Körper existieren verschiedene pH-Werte gleichzeitig. Der Magen arbeitet stark sauer, um Nahrung zu verdauen. Die Haut ist leicht sauer und schützt so vor Keimen. Das Blut hingegen ist leicht basisch und liegt stabil bei etwa pH 7,4. Dieser Wert darf sich kaum verändern, sonst kann es schnell kritisch werden.
Der Körper hält den Blut-pH-Wert mit großer Präzision konstant. Schon kleine Abweichungen können medizinische Notfälle auslösen. Möglich machen das sogenannte Puffersysteme. Dabei handelt es sich um chemische Mechanismen, die Säuren und Basen sofort ausgleichen.
Zusätzlich helfen Lunge und Nieren, überschüssige Säuren loszuwerden. Die Lunge atmet Kohlendioxid aus, die Nieren scheiden Säuren über den Urin aus. Der Körper ist also gut gerüstet und nicht so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Viele Menschen glauben, dass säurebildende Lebensmittel Krankheiten fördern. Diese Vorstellung stammt vor allem aus der Naturheilkunde. Wissenschaftlich lässt sich das bisher nicht belegen. Es gibt keine überzeugenden Studien, die zeigen, dass eine säurebildende Ernährung Arteriosklerose, Arthrose oder Osteoporose verursacht.
Trotzdem lohnt sich ein kritischer Blick auf bestimmte Lebensmittel. Fleisch, Milchprodukte, Zucker, Weißmehlprodukte und Fisch gelten als säurebildend und sollten nicht im Übermaß auf dem Speiseplan stehen. Der Grund liegt weniger im Säure-Basen-Effekt, sondern in anderen Faktoren wie Arachidonsäure, hohem Zuckeranteil oder ungünstigen Fettsäuren.
Als basisch gelten vor allem Gemüse, Obst, einige Mineralwässer und auch Kaffee. Diese Lebensmittel sind gesund, aber nicht primär wegen ihres Einflusses auf den pH-Wert. Sie liefern Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die viele Prozesse im Körper unterstützen.
Eine basenreiche Ernährung deckt sich daher weitgehend mit allgemeinen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung. Viel pflanzliche Kost, wenig stark verarbeitete Produkte, das ist auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sinnvoll.
Im Handel finden sich zahlreiche Produkte, die den Säure-Basen-Haushalt unterstützen sollen. Sie enthalten meist Mineralstoffe wie Magnesiumcitrat, Calciumcarbonat oder Zinkverbindungen. Diese Stoffe können die körpereigenen Puffersysteme entlasten.
Allerdings gilt auch hier: Es gibt keine belastbaren Beweise dafür, dass solche Präparate Krankheiten vorbeugen. Bei anhaltenden Beschwerden oder dem Verdacht auf einen Mangel empfiehlt Kathrin Fastnacht, ärztlichen Rat einzuholen und gegebenenfalls eine Blutuntersuchung durchführen zu lassen.
Ein bekanntes Beispiel für Missverständnisse rund um den Säure-Basen-Haushalt ist die Zitrone. Sie schmeckt stark sauer, wirkt im Körper aber basisch. Das liegt an ihrem Gehalt an Magnesiumcitrat, das nach der Verstoffwechselung basisch reagiert.
Der Geschmack eines Lebensmittels sagt also nichts darüber aus, wie es den Säure-Basen-Haushalt beeinflusst. Entscheidend ist, was im Stoffwechsel daraus entsteht, nicht das Gefühl auf der Zunge.
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