Studie bezweifelt Nutzen von Calcium und Vitamin D: Osteoporose-Expertin hält an Empfehlungen fest

Katrin Faßnacht-LeePharmazeutische Zeitung  |  08.07.2026 10:16 Uhr

Eine neue Metaanalyse sieht nur geringe Effekte von Calcium und Vitamin D bei der Vorbeugung von Knochenbrüchen. Die Osteoporose-Expertin Friederike Thomasius hält die bisherigen Empfehlungen dennoch für gerechtfertigt. Sie verweist auf eine um 16 Prozent niedrigere Rate an Hüftfrakturen und erklärt, warum die Studienergebnisse aus ihrer Sicht anders einzuordnen sind.

Eine Person hält zwei Pillen jeweils zwischen Daumen und Zeigefinger.
Hilft es der Knochengesundheit, wenn man Calcium und Vitamin D supplementiert? In der Kombination schon.
© Stepan Popov/iStockphoto

Eine aktuelle kanadische Metaanalyse hat untersucht, ob sich durch die Einnahme von Calcium und Vitamin D Knochenbrüche verhindern lassen. Das Ergebnis: die Erfolge sind gering. Doch ändern sich dadurch die Empfehlungen? Dr. Friederike Thomasius vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum glaubt das nicht. Die Expertin weist im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung darauf hin, dass die Analyse durchaus einen Nutzen zeigt: Die Kombination aus Calcium und Vitamin D verringerte das Risiko für Hüftfrakturen um 16 Prozent.

Neue Analyse: Die Kombination senkt Hüftfrakturen um 16 Prozent

Laut Thomasius gibt es regelmäßig Studien, die den Nutzen einer Supplementation in Frage stellen. „Wenn man sich die Studie aber genau ansieht, zeigt sie, dass die Einnahme von Calcium oder Vitamin D allein keinen Schutzeffekt hat, die Kombination von beiden aber schon. Und das steht bereits in den Leitlinien, dass nur eine Kombination wirksam ist“, betont die Expertin.

Warum die Osteoporose-Expertin die Studie anders bewertet

Die Studie habe für die Gabe der Kombination im Vergleich zu Placebo eine Schutzfunktion bei Hüftfrakturen um 16 Prozent und für jegliche andere Brüche um 9 Prozent ergeben, was die Autoren als geringen bis keinen Effekt angaben. „Doch auf Bevölkerungsebene bedeuten Effekte in dieser Höhe viele verhinderte Frakturen“, gibt Thomasius zu Bedenken.

Schon wenige verhinderte Hüftfrakturen sparen Millionen

Außerdem sei in der Studie eine Risikoreduktion von Hüftfrakturen von 0,3 Prozent angegeben. Auch wenn das zunächst wenig klingt, betont die Osteoporose-Expertin: „In Deutschland haben wir pro Jahr 130.000 bis 160.000 Hüftfrakturen, die pro Fall mindestens 20.000 Euro Folgekosten verursachen. Wenn man nur 0,3 Prozent von diesen verhindert, ist das schon eine Ersparnis von 7,8 bis 9,6 Millionen Euro pro Jahr an direkten Folgekosten.“ Außerdem bliebe einigen Menschen viel Leid erspart.

Wer weiterhin von Calcium und Vitamin D profitieren kann

Wichtig für starke Knochen sind schon im Kindesalter eine ausgewogene Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung. Personen mit erhöhtem Risiko für Osteoporose, mit niedriger Knochendichte und geringer Calciumzufuhr oder Sonnenexposition, empfiehlt Thomasius weiterhin eine Kombination aus Calcium und Vitamin D. Und: „Ganz essenziell für die Knochengesundheit bei jungen Mädchen und Frauen ist auch ein regelmäßiger Monatszyklus, weil der Knochen Estrogen-reguliert ist. Häufig wird erst ab einem Alter von 50 Jahren auf die Knochengesundheit geschaut, das müsste aber vorher beginnen.“

Quelle: DOI: 10.1136/bmj-2025-088050.

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