Viele Menschen trinken bewusst ein Glas Wasser zum Essen – in der Hoffnung, dadurch schneller satt zu werden und weniger zu essen. Eine aktuelle Auswertung zweier Studien kommt jedoch zu einem überraschenden Ergebnis: Wer während der Mahlzeit mehr Wasser trinkt, nimmt unter Umständen sogar mehr Nahrung zu sich.

Forschende analysierten Daten aus zwei randomisierten Crossover-Studien mit insgesamt 86 Erwachsenen. Die Teilnehmenden aßen wahlweise mild oder scharf gewürztes Chili beziehungsweise indisches Gericht und konnten dabei beliebig viel Wasser trinken. Anschließend werteten die Wissenschaftler das Ess- und Trinkverhalten anhand von Videoaufnahmen aus.
Das Ergebnis: Über alle Mahlzeiten hinweg war eine höhere Wasseraufnahme mit einer größeren Nahrungsmenge verbunden. Für jeweils 100 Gramm zusätzlich getrunkenes Wasser wurden im Durchschnitt 39 Gramm mehr Essen und rund 49 Kilokalorien mehr aufgenommen.
Wer häufiger zwischen einem Bissen Essen und einem Schluck Wasser wechselte, aß ebenfalls mehr. Die Forschenden vermuten, dass dieser Wechsel das Essen erleichtert oder das Sättigungsgefühl hinauszögern könnte. Belegt ist das jedoch noch nicht. Interessanterweise war ein schnelleres Trinktempo dagegen mit einer geringeren Nahrungsaufnahme verbunden.
Bereits frühere Auswertungen derselben Forschungsgruppe hatten gezeigt, dass scharf gewürzte Speisen dazu führen können, langsamer und insgesamt weniger zu essen. Die neue Analyse ergab, dass dieser Effekt nicht davon abhing, wie viel Wasser getrunken oder wie häufig zwischen Essen und Trinken gewechselt wurde.
Die Forschenden betonen, dass ihre Auswertung keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweist. Die Studien waren ursprünglich nicht darauf ausgelegt, den Einfluss des Trinkverhaltens zu untersuchen. Außerdem fanden die Experimente unter Laborbedingungen mit nur wenigen, ähnlichen Gerichten statt. Ob sich die Ergebnisse auf andere Mahlzeiten übertragen lassen, ist daher offen. Ebenso untersuchte die Studie nicht, welche Wirkung Wasser vor einer Mahlzeit haben könnte.
Quelle: DOI:10.1016/j.appet.2026.108698
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