Wasser zum Essen: Macht Trinken während der Mahlzeit wirklich schneller satt?

Katrin Faßnacht-Lee  |  23.07.2026 14:05 Uhr

Viele Menschen trinken bewusst ein Glas Wasser zum Essen – in der Hoffnung, dadurch schneller satt zu werden und weniger zu essen. Eine aktuelle Auswertung zweier Studien kommt jedoch zu einem überraschenden Ergebnis: Wer während der Mahlzeit mehr Wasser trinkt, nimmt unter Umständen sogar mehr Nahrung zu sich.

Eine Frau gießt sich beim essen ein Glas Wasser ein.
Isst man weniger, wenn man beim Essen Wasser trinkt? Eher nicht!
© © Javier Sanchez Mingorance/iStockphoto

Mehr Wasser – weniger Essen?

Forschende analysierten Daten aus zwei randomisierten Crossover-Studien mit insgesamt 86 Erwachsenen. Die Teilnehmenden aßen wahlweise mild oder scharf gewürztes Chili beziehungsweise indisches Gericht und konnten dabei beliebig viel Wasser trinken. Anschließend werteten die Wissenschaftler das Ess- und Trinkverhalten anhand von Videoaufnahmen aus. 

Das Ergebnis: Über alle Mahlzeiten hinweg war eine höhere Wasseraufnahme mit einer größeren Nahrungsmenge verbunden. Für jeweils 100 Gramm zusätzlich getrunkenes Wasser wurden im Durchschnitt 39 Gramm mehr Essen und rund 49 Kilokalorien mehr aufgenommen. 

Häufiges Wechseln zwischen Essen und Trinken spielte eine Rolle

Wer häufiger zwischen einem Bissen Essen und einem Schluck Wasser wechselte, aß ebenfalls mehr. Die Forschenden vermuten, dass dieser Wechsel das Essen erleichtert oder das Sättigungsgefühl hinauszögern könnte. Belegt ist das jedoch noch nicht. Interessanterweise war ein schnelleres Trinktempo dagegen mit einer geringeren Nahrungsaufnahme verbunden. 

Schärfe verringerte die Essmenge

Bereits frühere Auswertungen derselben Forschungsgruppe hatten gezeigt, dass scharf gewürzte Speisen dazu führen können, langsamer und insgesamt weniger zu essen. Die neue Analyse ergab, dass dieser Effekt nicht davon abhing, wie viel Wasser getrunken oder wie häufig zwischen Essen und Trinken gewechselt wurde. 

Ergebnisse mit Vorsicht interpretieren

Die Forschenden betonen, dass ihre Auswertung keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweist. Die Studien waren ursprünglich nicht darauf ausgelegt, den Einfluss des Trinkverhaltens zu untersuchen. Außerdem fanden die Experimente unter Laborbedingungen mit nur wenigen, ähnlichen Gerichten statt. Ob sich die Ergebnisse auf andere Mahlzeiten übertragen lassen, ist daher offen. Ebenso untersuchte die Studie nicht, welche Wirkung Wasser vor einer Mahlzeit haben könnte. 

Quelle: DOI:10.1016/j.appet.2026.108698

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