Frühjahrsmüdigkeit verstehen: Podcast über Ursachen, Hormone, niedrigen Blutdruck und praktische Tipps gegen Müdigkeit im Frühling.
Frühjahrsmüdigkeit: Warum viele Menschen im Frühling erschöpft sind
Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, fühlen sich viele Menschen überraschend schlapp. Dieses Phänomen nennt man Frühjahrsmüdigkeit. Obwohl es sehr verbreitet ist, sind die medizinischen Ursachen noch nicht vollständig geklärt.
In dieser Podcastfolge erklärt Rüdiger Freund, Chefredakteur von aponet.de, warum unser Körper im Frühling manchmal Zeit braucht, um sich anzupassen.
Hormonumstellung im Frühling: Melatonin und Serotonin im Gleichgewicht
Ein wichtiger Grund für Frühjahrsmüdigkeit liegt im Hormonstoffwechsel. Im Winter produziert der Körper mehr Melatonin, das sogenannte Schlafhormon. Es sorgt dafür, dass wir müde werden und schlafen können.
Mit den längeren Tagen im Frühling steigt dagegen die Produktion von Serotonin, oft als Glückshormon bezeichnet. Dieses Hormon macht wach und hebt die Stimmung. Während dieser Übergangsphase gerät das Gleichgewicht zwischen beiden Hormonen kurzfristig durcheinander. Das kann dazu führen, dass man sich tagsüber müde oder antriebslos fühlt.
Temperaturanstieg und niedriger Blutdruck
Neben den Hormonen spielt auch der Kreislauf eine Rolle. Wenn die Temperaturen im Frühling steigen, weiten sich die Blutgefäße. Dadurch kann der Blutdruck leicht sinken. Viele Menschen reagieren darauf mit typischen Beschwerden wie:
- Müdigkeit
- Schwindel
- Konzentrationsproblemen
Auch die Zeitumstellung kann die Anpassung zusätzlich erschweren, weil sich die innere Uhr neu einstellen muss.
Wie lange dauert Frühjahrsmüdigkeit?
Die gute Nachricht: Frühjahrsmüdigkeit ist meist vorübergehend. Nach Einschätzung von Rüdiger Freund dauert die Anpassungsphase in der Regel zwei bis vier Wochen. Danach hat sich der Körper meist an Licht, Temperatur und Hormonveränderungen gewöhnt.
Wer besonders häufig betroffen ist
Einige Menschen reagieren empfindlicher auf den Wechsel der Jahreszeiten. Zu den typischen Risikogruppen für Frühjahrsmüdigkeit gehören:
- wetterfühlige Menschen
- Personen mit niedrigem Blutdruck
- Schichtarbeiter mit gestörter innerer Uhr
Bei ihnen reagiert der Kreislauf besonders sensibel auf Veränderungen von Licht, Schlafrhythmus und Temperatur.
Was gegen Frühjahrsmüdigkeit hilft
Die wichtigste Maßnahme gegen Frühjahrsmüdigkeit ist überraschend einfach: Tageslicht. Schon kurze Aufenthalte im Freien regen die Serotoninproduktion an und helfen dem Körper, sich schneller auf den Frühling einzustellen. Hilfreich sind außerdem:
- tägliche Spaziergänge im Tageslicht
- regelmäßige Schlafenszeiten
- morgendliche Bewegung
- Ausdauersport wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen
- Wechselduschen zur Kreislaufanregung
Selbst kleine Aktivitäten können helfen. Wer im Büro arbeitet, kann zwischendurch kurze Bewegungseinheiten einbauen, zum Beispiel Kniebeugen oder Dehnübungen.
Powernap gegen das Mittagstief
Auch ein kurzer Powernap kann helfen, wenn die Müdigkeit besonders stark ist. Optimal sind 15 bis 20 Minuten Schlaf. Diese kurze Pause kann die Konzentration und Leistungsfähigkeit verbessern. Wichtig ist jedoch: Der Mittagsschlaf sollte nicht länger dauern. Zu viel Schlaf am Tag kann die Melatoninproduktion wieder anregen und das Einschlafen am Abend erschweren.
Powernaps: In anderen Ländern normal
In manchen Ländern, etwa in Japan, gehören kurze Nickerchen im Alltag längst zur Kultur. Sie gelten dort sogar als Zeichen von Engagement und harter Arbeit. In Deutschland sind Powernaps dagegen noch eher ungewohnt, obwohl sie wissenschaftlich als sinnvoll gelten können – zumindest in moderater Länge.